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Newsletter Mai 2016

Die Meldung von Vertretern der Großen Koalition, man habe sich auf eine Abschaffung der WLAN-Störerhaftung geeinigt, sorgte für viele begeisterte Kommentare und Zustimmung. Auch wir begrüßten die Einigung grundsätzlich, gaben uns jedoch skeptisch im Hinblick auf die Details der geplanten Regelung – zu Recht, wie sich mittlerweile herausstellte.

Die TTIP-Leaks, die Greenpeace Anfang Mai veröffentlicht haben, zeigen, dass die USA in den Verhandlungen massiven Druck auf die EU ausüben, um wichtige rechtsstaatliche Schutzmechanismen auszuhebeln. Wir haben uns genauer angeschaut, welche Auwirkungen im Bereich Datenschutz und Telko-Regulierung zu erwarten sind.

Noch bis August verhandeln das Gremium Europäischer Regulierungsbehörden für elektronische Kommunikation (BEREC) und die 28 nationalen Regulierer über Leitlinien, die viele offene Fragen des im Oktober 2015 beschlossenen EU-Gesetzes zur Netzneutralität klären sollen. Noch vor den öffentlichen Konsultationen haben sich 72 zivilgesellschaftliche Organisationen aus 31 Ländern, darunter auch wir, an die europäischen Telekom-Regulierer gewandt, um ein Statement für Netzneutralität zu setzen.

1. Abschaffung der WLAN-Störerhaftung
2. TTIP-Leaks
3. Netzneutralität
4. „In digitaler Gesellschaft“ bei FluxFM
5. Netzpolitischer Abend
6. Video vom letzten Netzpolitischen Abend
7. DigiGes in den Medien

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1. Abschaffung der WLAN-Störerhaftung

Die Meldung von Vertretern der Großen Koalition, man habe sich auf eine Abschaffung der WLAN-Störerhaftung geeinigt, sorgte für viele begeisterte Kommentare und Zustimmung. Auch wir begrüßten die Einigung grundsätzlich, gaben uns jedoch skeptisch im Hinblick auf die Details der geplanten Regelung – zu Recht, wie sich mittlerweile herausstellte.

Das von Vertretern von Union und SPD in den vergangenen anderthalb Jahren immer wieder geäußerte Bekenntnis zu offenen Funknetzen wird sich daran messen lassen müssen, mit welcher rechtlichen Reichweite und Konsequenz die Große Koalition die Abschaffung der Störerhaftung nun tatsächlich angeht.

Ob die Große Koalition ihr Versprechen tatsächlich hält, hängt entscheidend davon ab, ob sich die Haftungsfreistellung auch auf Unterlassungsansprüche erstreckt. Am 2. Juni wird der Bundestag abschließend über einen Gesetzentwurf zur Änderung des Telemediengesetzes beraten. Wenige Tage vor der entscheidenden Abstimmung im Bundestag rufen der Digitale Gesellschaft e.V. und der Förderverein Freie Netzwerke e.V. daher gemeinsam zur Unterzeichnung einer Online-Petition für offene Netze auf.

Online-Petition für die grenzenlose Abschaffung der WLAN-Störerhaftung:

https://www.change.org/p/stoppt-die-abmahnindustrie-wlan-st%C3%B6rerhaftung-abschaffen-mehrinternet/u/16638533

Unsere Pressemitteilungen zur Abschaffung der WLAN-Störerhaftung:

WLAN-Störerhaftung: Petition fordert Abschaffung ohne Hintertüren für Abmahnindustrie (30.05.2016)
https://digitalegesellschaft.de/2016/05/wlan-stoererhaftung-petition/

Offene Netze: Große Koalition einigt sich auf bedingungslose Abschaffung der WLAN-Störerhaftung (11.05.2016)
https://digitalegesellschaft.de/2016/05/offene-netze-groko-einigt-sich/

Offene Netze: Union gibt Widerstand gegen Abschaffung der WLAN-Störerhaftung auf (04.05.2016)
https://digitalegesellschaft.de/2016/05/offene-netze-union-gibt-widerstand-auf/

Unser Blogbeitrag zur Abschaffung der WLAN-Störerhaftung:

Abschaffung der WLAN-Störerhaftung: Koalition darf nicht auf halber Strecke Halt machen (12.05.2016)
https://digitalegesellschaft.de/2016/05/wlan-koalition-halbe-strecke/

Unser Gesetzesentwurf zur Abschaffung der WLAN-Störerhaftung:

Gesetzesentwurf Haftungsfreistellung für öffentliche Funknetzwerke (2012)
https://digitalegesellschaft.de/wp-content/uploads/2012/06/Digitale-Gesellschaft-Gesetzentwurf-Haftungsfreistellung-fur-offentliche-Funknetzwerke.pdf

Die FluxFM-Sendung zur WLAN-Störerhaftung:

Ende der WLAN-Störerhaftung?: DigiGes @ FluxFM (11.05.2016)

2. TTIP-Leaks

Anfang Mai hat Greenpeace geheime TTIP-Dokumente veröffentlicht, die deutlich machen, dass den Beschwichtigungen der EU-Kommission, TTIP führe nicht zu einer Verwässerung rechtsstaatlicher Standards, kein Glauben geschenkt werden darf. Damit ist spätestens jetzt das Vertrauen in ihre Fähigkeit ein Abkommen auszuhandeln, welches den Interessen von 500 Millionen Menschen in Europa gerecht wird, irreparabel beschädigt.

Wie sich zeigt, waren die Bedenken hinsichtlich des Verbraucherschutzes und im Hinblick auf netzpolitische Themen durchaus berechtigt. Es finden sich keine konkreten Hinweise auf Datenschutz. Zudem haben amerikanische Firmen nach bisherigem Verhandlungsstand die Möglichkeit, über die Regulierungsbehörden EU-Gesetze zu ändern beziehungsweise zu umgehen. Das könnte beispielsweise im Bezug auf Netzneutralität schädliche Folgen haben.

Unsere Pressemitteilung zu den TTIP-Leaks:

TTIP-Leaks: Transparenz und Beteiligung statt Beschwichtigungen und Geheimniskrämerei (02.05.2016)
https://digitalegesellschaft.de/2016/05/ttip-leaks/

TTIP beim Netzpolitischen Abend auf der re:publica 2016:

Netzpolitischer Abend des Digitale Gesellschaft e.V. (04.05.2016)
https://re-publica.de/en/16/session/netzpolitischer-abend-des-digitale-gesellschaft-ev

Die FluxFM-Sendung zu den TTIP-Leaks:

TTIP-Leaks: DigiGes @ FluxFM (04.05.2016)

3. Netzneutralität

In einem gemeinsamen offenen Brief haben sich 72 zivilgesellschaftliche Organisationen aus 31 Ländern, darunter auch der Digitale Gesellschaft e.V., an die europäischen Telekom-Regulierer gewandt. Darin fordern sie eine starke Absicherung der Netzneutralität bei der Umsetzung der EU Telekommunikationsmarkt-Verordnung. Von diesen neuen Regeln wird abhängen, ob Internetanbieter in Europa künftig bezahlte Überholspuren ermöglichen, einzelne Dienste blockieren, verschüsselte Verbindungen pauschal benachteiligen und den Inhalt der Datenpakete ihrer Kunden inspizieren dürfen. Noch besteht für die Zivilgesellschaft die Möglichkeit, sich in den laufenden Prozess einzubringen und der eigenen Stimme auf www.SaveTheInternet.eu Gehör zu verschaffen!

Das Gremium Europäischer Regulierungsbehörden für elektronische Kommunikation (BEREC) und die 28 nationalen Regulierer verhandeln zurzeit über Leitlinien, die viele offene Fragen des im Oktober 2015 beschlossenen EU-Gesetzes zur Netzneutralität klären sollen. Bis August sollen die endgültigen Leitlinien stehen. Zuvor soll in der Zeit von Juni bis Juli 2016 noch eine öffentliche Konsultation durchgeführt werden.

Unsere Pressemitteilung zum offenen Brief:

Gemeinsames Statement der Zivilgesellschaft für Netzneutralität in Europa (02.05.2016)
https://digitalegesellschaft.de/2016/05/nn-brief/

Der offene Brief:

Global open civil society letter to the Body of European Regulators of Electronic Communication (BEREC) in support of strong net neutrality guidelines (02.05.2016)
https://digitalegesellschaft.de/wp-content/uploads/2016/05/20160502_NN_BEREC_CivilSocietyletter_signed.pdf

Die FluxFM-Sendung zu Zero-Rating:

Zero-Rating: DigiGes @ FluxFM (18.05.2016)

4. „In digitaler Gesellschaft“ bei FluxFM

Seit Januar 2016 berichten wir in der Reihe „In digitaler Gesellschaft“ beim Berliner Radiosender FluxFM über das netzpolitische Thema der Woche. In kurzen Gesprächen erläutern wir aktuelle Entwicklungen im Feld der Netzpolitik. Das Themenspektrum reicht von tagespolitischen Ereignissen auf lokaler sowie globaler Ebene bis hin zu längerfristigen Projekten, welche wir als DigiGes kritisch begleiten. Als gemeinnütziger Verein, der sich für Grundrechte und Verbraucherschutz im digitalen Raum einsetzt, möchten wir nicht zuletzt auch die Fragen aufwerfen, warum die angesprochenen Themen uns alle betreffen und welchen Beitrag jeder einzelne zum Erhalt und zur Fortentwicklung einer freien und offenen digitalen Gesellschaft leisten kann.

Die Sendung könnt Ihr euch jeden Mittwoch um 16:10 Uhr live bei 100,6 FluxFM anhören.
Diesen Monat haben wir über die Themen TTIP-Leaks (Folge 17), Ende der WLAN-Störerhaftung? (Folge 18), Zero Rating (Folge 19) und Was verraten Metadaten? (Folge 20) gesprochen.

Sämtliche Video-Aufzeichnungen findet Ihr hier:
https://www.youtube.com/playlist?list=PLMoiP4YfunXJcELmvFy9cdxx2d6mN0s3Q
Sämtliche Audiomitschnitte findet Ihr hier: https://soundcloud.com/digiges/

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5. Netzpolitischer Abend

Der nächste Netzpolitische Abend findet am Dienstag, 07. Juni, wie gewohnt um 20.15 Uhr, in der c-base in Berlin statt.

Programm

Maria Xynou (Tactical Technology Collective) und Naomi Colvin (Courage Foundation): „Surveillance Without Borders: the Snowden Archives, Data Visualizations and a Call to Action“

Alexander Sander (Digitale Gesellschaft e.V.): EU-Überwachungsfantasien – Die Terrorismus-Richtlinie der EU

Volker Tripp (Digitale Gesellschaft e.V.): Abschaffung der WLAN-Störerhaftung – Endlich offene Netzzugänge?

Organisatorisches
Ihr findet die c-base in der Rungestraße 20, 10179 Berlin. Einlass ist wie immer ab 19:15 Uhr, los geht’s um 20:15 Uhr, selbstverständlich auch im Stream unter http://c-base.org. Der Eintritt ist frei.

Hashtag:
Der Hashtag für den nächsten Abend ist #npa049 – gebraucht ihn gerne und reichlich, auch für Feedback und Fragen, wenn ihr nicht vor Ort sein könnt.

6. Video vom letzten Netzpolitischen Abend

Am 4. Mai fand unser 48. Netzpolitischer Abend in bei der rpTEN statt. Für diejenigen unter Euch, die nicht live dabei sein konnten, gibt es hier die Videos der Vorträge zum Nachschauen:

Volker Tripp und Alexander Sander vom Digitale Gesellschaft e.V. haben über die bedingungslose Abschaffung der WLAN-Störerhaftung, die Vorratsdatenspeicherung von Reisedaten, die EU-Urheberrechtsreform und die internationalen Handelsabkommen CETA und TTIP berichtet. Zudem ging es um Wege, wie sich die Zivilgesellschaft engagieren kann.

7. DigiGes in den Medien

DigiGes im TV:

heute.de
Freies WLAN: Koalition schafft Störerhaftung ab
http://www.heute.de/wlan-und-hotspots-koalition-schafft-stoererhaftung-ab-43474914.html

n24.de
GroKo einigt sich: WLAN in Deutschland wird freier
http://www.n24.de/n24/Mediathek/videos/d/8505046/wlan-in-deutschland-wird-freier-.html

DigiGes im Radio:

WDR 5
Auf dem Weg in die digitale Welt?
http://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-morgenecho-interview/audio-auf-dem-weg-in-die-digitale-welt-100.html

Ö1 – ORF
Datenschützer fürchten Einschränkungen durch TTIP
http://orf.at/stories/2339366/

DigiGes in den Print- und Onlinemedien:

süddeutsche.de
WLAN-Hotspots: Verein warnt vor «Hintertüren»
http://www.sueddeutsche.de/news/service/internet-wlan-hotspots-verein-warnt-vor-hintertueren-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-160530-99-119807

heise.de
re:publica: Die Zukunft des offenen Netzes steht auf dem Spiel
http://www.heise.de/newsticker/meldung/re-publica-Die-Zukunft-des-offenen-Netzes-steht-auf-dem-Spiel-3195890.html?wt_mc=rss.ho.beitrag.rdf

zdnet.de
Weg frei für Abschaffung der WLAN-Störerhaftung: Union gibt Widerstand auf
http://www.zdnet.de/88268268/weg-frei-fuer-abschaffung-der-wlan-stoererhaftung-union-gibt-widerstand-auf/

computerbase.de
Störerhaftung soll noch vor der Sommerpause fallen
http://www.computerbase.de/2016-05/offene-wlans-stoererhaftung-soll-noch-vor-der-sommerpause-fallen/

Die Zeit
Die schönste Beerdigung des Jahres
http://www.zeit.de/digital/internet/2016-05/stoererhaftung-wlan-hotspots-gesetzentwurf-kommentar

meinungsbarometer.info
Digitale Gesellschaft kritisiert schwammige Begriffe im neuen EU-Datenschutzrecht
https://meinungsbarometer.info/beitrag/Digitale-Gesellschaft-kritisiert-schwammige-Begriffe-im-neuen-EU-Datenschutzrecht_1331.html

wired.de
Terror und Urheberrecht: Die Bundesregierung will Zensur privatisieren
https://www.wired.de/collection/life/die-deutsche-regierung-will-zensur-privatisieren

TTIP-Leaks: Transparenz und Beteiligung statt Beschwichtigungen und Geheimniskrämerei

„Wir freuen uns über die TTIP-Leaks. Nun liegen endlich klare Belege dafür vor, wie mit dem Abkommen der Abbau des demokratischen Rechtsstaats vorangetrieben werden soll. Die Enthüllungen wiegen umso schwerer, als dass die Unterhändler auf beiden Seiten des Atlantiks der Öffentlichkeit bislang nur mit einer Mischung aus Beschwichtigungen und Geheimniskrämerei begegnet sind. Damit haben sie jegliches Vertrauen in die weiteren Verhandlungen verspielt, und deshalb muss TTIP scheitern. Künftig darf es keine Handelsabkommen mehr ohne Transparenz und ohne frühzeitige Beteiligung der Zivilgesellschaft geben.“, fordert Alexander Sander, Hauptgeschäftsführer des Vereins Digitale Gesellschaft.

Wie der Rechercheverbund von SZ, NDR und WDR gestern berichtete, wird Greenpeace am heutigen Montag umfangreiche Verhandlungsdokumente zu dem geplanten Freihandelsabkommen TTIP veröffentlichen. Daraus geht unter anderem hervor, dass die USA in den Verhandlungen massiven Druck auf die EU ausüben, um wichtige rechtsstaatliche Schutzmechanismen auszuhebeln. So bestehen die Vereinigten Staaten zum Zweck des Investorenschutzes auf der Einrichtung privater Schiedsgerichte, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandeln. Dort sollen Unternehmen die Möglichkeit haben, Staaten auf Schadensersatz in Millionenhöhe zu verklagen, falls etwa neue Gesetze zum Verbraucherschutz den Wert ihrer Investitionen schmälern. Setzen sich die USA mit dieser Forderung durch, würde eine Paralleljustiz etabliert, die sich der demokratischen Kontrolle entzieht und Unternehmen zugleich mittelbaren Einfluss auf die Gesetzgebung verschafft. Mindestens ebenso bedenklich ist die geplante regulatorische Kooperation. Danach sollen die USA die Möglichkeit erhalten, auf EU-Gesetzesvorhaben Einfluss zu nehmen, bevor überhaupt ein Formulierungsvorschlag auf dem Tisch liegt. Auch dieser Teil des Abkommens läuft also auf eine Aushebelung elementarer demokratischer und rechtsstaatlicher Prinzipien hinaus.

Die Enthüllungen machen deutlich, dass den Beschwichtigungen der EU-Kommission, TTIP führe nicht zu einer Verwässerung rechtsstaatlicher Standards, kein Glauben geschenkt werden darf. Damit ist spätestens jetzt das Vertrauen in ihre Fähigkeit ein Abkommen auszuhandeln, welches den Interessen von 500 Millionen Menschen in Europa gerecht wird, irreparabel beschädigt. Eine Fortsetzung der TTIP-Verhandlungen, noch dazu wie bisher im Geheimen, kann es unter diesen Umständen nicht geben. Um derartige Desaster künftig zu vermeiden, müssen bei sämtlichen internationalen Handelsabkommen Transparenz und eine möglichst frühzeitige Beteiligung der Zivilgesellschaft zu selbstverständlichen Standards werden.

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DigiGes Wochenrückblick – Die neue Folge ist da #dgw002

Wir sind zurück mit der zweiten Folge unseres DigiGes Wochenrückblicks!

Auch diese Woche hat sich auf der netzpolitischen Bühne wieder viel getan, wobei insbesondere die Entscheidung des EuGH zu „Safe Harbor“ für Aufsehen gesorgt hat.
Gebt uns gerne auch Feedback, was Ihr von den Änderungen in dieser zweiten Folge des Podcasts haltet und abonniert unseren Youtube– und Soundcloud-Kanal, um keine Ausgabe zu verpassen.

Bis nächsten Freitag!

Video:

 

 

 

Soundcloud:

 

 

 

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Neu: Der DigiGes Wochenrückblick als Audio- und Videopodcast

Wir probieren etwas Neues: Jeden Freitag werden wir zukünftig in einem Podcast auf das zurückblicken, was uns in der Woche netzpolitisch beschäftigt hat.

Helft uns, besser zu werden! Wir freuen uns über Feedback und wenn Ihr unseren Youtube– und Soundcloud-Kanal abonniert, damit ihr auf dem Laufenden bleibt.

Falls ihr euer Datenvolumen schonen wollt, findet ihr die Tondatei auf unserem Soundcloud-Profil: https://soundcloud.com/digiges/

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41. Netzpolitischer Abend – #npa041

Der nächste Netzpolitische Abend findet am Dienstag, 6. Oktober, um 20.00 Uhr in der c-base in Berlin statt.

Das Programm:

Laura Linda: „A Rail of One’s Own – Was machen eigentlich die Rails Girls Berlin?“

Nikolaus Huss: „Der Open-Web-Index: Ein europäischer Beitrag für ein transparenteres und partizipativeres Web“

Alexander Sander: „Protest gegen TTIP“

Mushon Zer-Aviv: „AdNauseam – Obfuscation as counter-surveillance-measure“

Sandra Mamitzsch & Daniel Krüger: „Internetcafés und Computerkurse für Geflüchtete – Unterstützt Refugees Emancipation

Ihr findet die c-base in der Rungestraße 20, 10179 Berlin. Einlass ist wie immer ab 19 Uhr, los geht’s gegen 20 Uhr, selbstverständlich auch im Stream unter http://c-base.org. Der Eintritt ist frei.

#npa041 ist der Hashtag für den Abend – gebraucht ihn gerne und reichlich, auch für Feedback und Fragen, wenn ihr nicht vor Ort sein könnt.

Hier die Aufnahmen des Abends:

Zum 41. Netzpolitischen Abend in der C-Base Berlin spricht Alexander Sander zu den Themen „Safe Harbor-Entscheidung des EuGH“ und „Protest gegen TTIP“.

Der EuGH hat entschieden: Das Safe Harbor-Datentransferabkommen zwischen der EU und den USA ist ungültig.

Außerdem rufen wir zur „STOP TTIP“-Demo am 10.10 in Berlin auf!

Laura Laugwitz: „A Rail of One’s Own – Was machen eigentlich die Rails Girls Berlin?“

Laura Laugwitz stellt uns die Rails Girls Berlin vor.

Die Rails Girls Berlin organisieren Coding Workshops für Mädchen und Frauen und engagieren sich für die Diversifizierung der Techszene.

Nikolaus Huss: „Der Open-Web-Index: Ein europäischer Beitrag für ein transparenteres und partizipativeres Web“

Nikolaus Huss stellt uns das Projekt Open Web Index vor.

Dabei geht es um das Aufbauen eines offenen, europäischen Internetindexes, der ein Gegengewicht zu den Datenbanken großer US-Konzerne darstellen könnte.

Mushon Zer-Aviv: „AdNauseam – Obfuscation as counter-surveillance-measure“

Mushon Zer Aviv stellt uns sein Projekt AdNauseam vor.

AdNauseam ist ein Browser-Tool, mit dem du die Aufzeichnung deiner Onlinedaten durch Tracker behindern kannst.

Sandra Mamitzsch: „Crowdfunding Refugee Emancipation“

Sandra Mamitzsch berichtet vom Projekt Refugee Emancipation.

Die Gruppe hinter Refugee Emancipation hilft Geflüchteten Internet-Cafes in Flüchtlingslagern aufzubauen und Zugang zum Internet zu bekommen.

Die Videos von unseren anderen Netzpolitischen Abenden findet ihr auf unserem Youtube-Kanal: https://www.youtube.com/user/digitalegesellschaft

Newsletter September 2015

Auch im September hat sich wieder einiges auf der netzpolitischen Bühne getan: Die Parlamente in Berlin und Straßburg haben ihre Arbeit wieder aufgenommen und schon in den ersten Wochen nach der Sommerpause wurde zu verschiedenen netzpolitischen Themen verhandelt – teilweise mit wichtigen Entscheidungen.

Auf der Tagesordnung der verschiedenen nationalen und europäischen Institutionen standen dabei unter anderem der Entwurf zu einer neuen europäischen Datenschutz-Grundverordnung, deutsche Gesetzesvorhaben zur WLAN-Störerhaftung und zur Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung sowie eine Vorentscheidung des EuGH-Generalanwalts zum Safe-Harbor-Abkommen zwischen der EU und den USA.

Außerdem wollen wir Euch auf den nächsten Netzpolitischen Abend am 06. Oktober sowie auf die „STOP TTIP & CETA“-Demo am 10. Oktober aufmerksam machen.

1. Europäische Datenschutz-Grundverordnung: Rote Linien der DigiGes
2. WLAN-Störerhaftung: Neues Kampagnentool
3. Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung: Deutscher Gesetzesentwurf kritisiert
4. Safe Harbor: EU-Generalanwalt hält Abkommen für ungültig
5. „STOP TTIP & CETA“-Demonstration
6. Nächster Netzpolitischer Abend
7. Videos vom letzten Netzpolitischen Abend
8. DigiGes in den sozialen Netzwerken
9. DigiGes in den Medien

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1. Europäische Datenschutz-Grundverordnung: Rote Linien der DigiGes

Das Gesetzesvorhaben der EU zu einer neuen Datenschutz-Grundverordnung befindet sich auf der Zielgeraden. Bis zum Ende des Jahres wollen EU-Kommission, Rat und Parlament die laufenden Trilog-Verhandlungen abgeschlossen haben und ein druckreifes Gesetz vorlegen können.

In dem Entwurf, mit dem der Rat in die Verhandlungen getreten ist, sind jedoch grundlegende Datenschutzprinzipien ausgehöhlt. Beispielsweise sieht der Rats-Entwurf vor, dass das Prinzip der Zweckbindung faktisch aufgehoben wird. Dieses Prinzip stellte bisher sicher, dass Daten grundsätzlich nur zu den Zwecken verarbeitet werden dürfen, zu denen sie auch ursprünglich erhoben wurden. Nach dem Entwurf des Rates sollen Unternehmen Daten aber schon dann zu völlig verschiedenen als den die Datenerhebung legitimierenden Gründen verwenden dürfen, wenn sie nur ein „berechtigtes Interesse“ daran haben und dieses als gewichtiger als die Verbraucherinteressen bewerten.

Für die neueste Ausgabe der Datenschutz-Nachrichten (DANA) haben wir unsere Roten Linien für die Datenschutz-Grundverordnung entworfen. Hier gehts zum .pdf.

Weitere Kritik:

2. WLAN-Störerhaftung: Neues Kampagnentool

Bald soll der Bundestag über den Vorschlag der Bundesregierung zur Novellierung des Telemediengesetzes entscheiden. Ziel des Gesetzes ist unter anderem, das Problem der WLAN-Störerhaftung so neu zu regulieren, dass sich im öffentlichen Raum frei zugängliche Hotspots stärker ausbreiten können. Der Entwurf kann nur als misslungen bezeichnet werden: Neben zumindest störenden Entscheidungen, wie der Verpflichtung aller WLAN-Anbieter, für alle Nutzer eine Vorschaltseite einzurichten, könnten Unklarheiten im Entwurf sogar dazu führen, dass WLAN-Anbieter in Zukunft noch leichter für Rechtsverstöße über ihren Zugang haften.
Wir wollen Rechtssicherheit für alle Bürger, die ihren Internet-Zugang für andere öffnen und fordern deshalb die bedingungslose Abschaffung der WLAN-Störerhaftung.
Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir gemeinsam mit dem Förderverein Freie Netzwerke e.V. und dem Verbund freier Netzwerke NRW e.V. ein Kampagnentool entwickelt, mit dem Ihr ohne viel Arbeit ein Schreiben an das für Euren Wahlkreis zuständige Bundestagsmitglied schicken könnt, in dem Ihr Euch gegen eine Fortsetzung der WLAN-Störerhaftung aussprecht.

Dieses Kampagnentool findet Ihr unter prgenerator.freifunk.net.

Unsere Pressemitteilung zum Kampagnenstart: „Freifunker und Digitale Gesellschaft starten Kampagne zur WLAN-Störerhaftung“ (24.09.2015): https://digitalegesellschaft.de/2015/09/kampagne-stoererhaftung/

3. Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung: Deutscher Gesetzesentwurf kritisiert

Auch an anderer Front macht sich die Bundesregierung gegen Grundrechte im digitalen Raum stark: Bereits vor einiger Zeit hat sie einen Entwurf zur Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung vorgelegt. Dieser Entwurf liegt zur Zeit der EU-Kommission vor, die im sogenannten TRIS-Verfahren prüft, ob  das Vorhaben mit europäischem Recht vereinbar ist. Nachdem die Kommission den Zeitraum zur Prüfung Anfang des Monats ausgeweitet hat, deutet sich an, dass sie Bedenken am Gesetzesentwurf üben wird. Neben negativen Auswirkungen auf den digitalen EU-Binnenmarkt hat sie anscheinend auch grundrechtliche Bedenken gegen das Ermittlungsinstrument, das in älterer Form in der Vergangenheit bereits von Bundesverfassungsgericht und Europäischem Gerichtshof für illegal erklärt wurde.

Unsere Pressemitteilung zur Debatte: „Vorratsdatenspeicherung im Bundestag: Grundrechtliches Fiakso verhindern!“ (21.09.2015): https://digitalegesellschaft.de/2015/09/vds-fiasko-verhindern/

Spenden

4. Safe Harbor: EU-Generalanwalt hält Abkommen für ungültig

Auch im Rechtsstreit zwischen dem österreichischen Datenschutzaktivisten Max Schrems und Facebook gibt es Neues: Nachdem sich die irische Datenschutzbehörde geweigert hatte, die Rechtmäßigkeit der Überführung von persönlichen Daten an die USA durch Facebook zu prüfen, liegt der Fall jetzt vor dem Europäischen Gerichtshof. Nach Ansicht des Generalanwalts des EuGH ist das Safe Harbor-Abkommen der EU mit den USA, auf dem der Datenexport basiert, ungültig und verstößt gegen europäische Grundrechte. Folgt der EuGH der Auffassung seines Generalanwalts, würde dies das Ende des Safe Harbor-Abkommens bedeuten und könnte endlich zu einem besseren Schutz für die Daten europäischer Bürger führen.

Unsere Pressemitteilung dazu: „EU-Generalanwalt: Massenüberwachung durch US-Dienste verletzt Grundrechte“ (23.09.2015):
https://digitalegesellschaft.de/2015/09/generalanwalt-massenueberwachung/

5. STOP TTIP & CETA-Demonstration

Die Handelsabkommen TTIP und CETA zwischen der EU und den USA beziehungsweise Kanada stellen eine Bedrohung für die Grundrechte einer halben Milliarde europäischer Bürger dar. Wir wollen TTIP und CETA stoppen und rufen auch Euch dazu auf, Euch für den Schutz Eurer Rechte einzusetzen.

Engagieren könnt Ihr Euch zum einen, indem Ihr unsere selbstorganisierte Europäische Bürgerinitiative mit einer Unterschrift unterstützt!

Zum anderen findet am 10. Oktober in Berlin die bundesweite Großdemonstration gegen TTIP und CETA statt, mit der Ihr ein starkes Zeichen gegen die Handelsabkommen setzen könnt!

Unser Blogbeitrag dazu: „STOP TTIP / CETA“ (22.09.2015):
https://digitalegesellschaft.de/2015/09/stop-ttip-ceta/

6. Nächster Netzpolitischer Abend 

Der nächste Netzpolitische Abend findet am Dienstag, 6. Oktober, um 20.00 Uhr in der c-base in Berlin statt.

Das Programm:

Laura Linda: „A Rail of One’s Own – Was machen eigentlich die Rails Girls Berlin?“

Nikolaus Huss: „Der Open-Web-Index: Ein europäischer Beitrag für ein transparenteres und partizipativeres Web“

Alexander Sander: „Protest gegen TTIP“

Mushon Zer-Aviv: „AdNauseam – Obfuscation as counter-surveillance-measure“

Sandra Mamitzsch: „Crowdfunding Refugee Emancipation“

Ihr findet die c-base in der Rungestraße 20, 10179 Berlin. Einlass ist wie immer ab 19 Uhr, los geht’s gegen 20 Uhr, selbstverständlich auch im Stream unter http://c-base.org. Der Eintritt ist frei.

#npa041 ist der Hashtag für den Abend – gebraucht ihn gerne und reichlich, auch für Feedback und Fragen, wenn ihr nicht vor Ort sein könnt.

7. Videos vom letzten Netzpolitischen Abend

Cathleen Berger und Lea Gimpel – Netzneutralität: Unterwandert Zero-Rating die Demokratie?

Julian Hauser – Sharing is caring vs. stealing is wrong – Was die Philosophie zur Copyright-Debatte beitragen kann

Lisa Gutermuth – Satellite Imagery in Agriculture: Questioning Privacy, Data Protection, and Autonomy in the Field

8. DigiGes in den sozialen Netzwerken

Wir haben unsere social media-Accounts in den letzten Tagen etwas aufgefrischt.
Auf diesen Kanälen erfahrt Ihr als erste, wenn es Neuigkeiten von uns gibt:
Twitter: https://twitter.com/digiges
YouTube: https://www.youtube.com/user/digitalegesellschaft
Soundcloud: https://soundcloud.com/digiges
Facebook: https://www.facebook.com/DigitaleGesellschaft
Flickr: https://www.flickr.com/people/digitalegesellschaft/

9. DigiGes in den Medien

Die Zeit
Regierung beschließt umstrittenes WLAN-Gesetz
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015-09/wlan-zugaenge-oeffentlich-bundesregierung-telemediengesetz

Tagesschau
Kritik an Facebook: Maas fordert stärkeres Vorgehen gegen Fremdenfeindlichkeit
https://www.youtube.com/watch?v=LUUEuF8ycDU

Tagesschau.de
Regierung will WLAN-Ausbau fördern
https://www.tagesschau.de/inland/wlan-internet-101.html

ZDnet.de
Geplante Änderungen am Telemediengesetz laut Gutachten EU-rechtswidrig
http://www.zdnet.de/88246487/geplante-aenderungen-am-telemediengesetz-laut-gutachten-eu-rechtswidrig/

NationalJournal
Is Germany Building The Next NSA?
http://www.nationaljournal.com/s/58111/is-germany-building-next-nsa

detektor.fm
Datenfluss in die USA soll gestoppt werden
http://detektor.fm/digital/datenschutzabkommen-safe-harbor

STOP TTIP / CETA

Wirtschaftsaufschwung, Jobwunder, Wohlstand für alle! Mit diesen nachweislich falschen Versprechungen bewirbt die EU-Kommission das Freihandelsabkommen TTIP, das sie derzeit unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit den USA und Industrielobbyisten aushandelt.

Was uns verharmlosend als Abbau von Handelshemmnissen verkauft werden soll, macht in Wahrheit Gesundheits-, Umwelt-, Verbraucher- und Rechtsschutz zur Verfügungsmasse multinationaler Konzerne und opfert die Grundrechte von 500 Millionen Menschen in Europa auf dem Altar des liberalisierten Marktes. Unternehmen könnten sich das Urheber-, Patent- und Markenrecht vor nicht-öffentlichen Schiedsgerichten genauso nach Gusto zurechtklagen wie alle anderen Vorschriften, die ihren ökonomischen Interessen zuwiderlaufen. Zögerlichen EU-Staaten, die ihre Gesetze nicht nach Wunsch der Unternehmen ändern, drohen astronomisch hohe Schadenersatzforderungen, die sie aus Steuermitteln zu begleichen hätten. TTIP kommt damit einem Frontalangriff auf die Fundamente von Rechtsstaatlichkeit und Zivilgesellschaft in Europa gleich. Mehr Informationen dazu findet ihr hier.

Wir wollen TTIP und CETA stoppen!

Der Countdown läuft! – Unterschtreibt unsere EBI

Wir arbeiten fleißig daran, bis zum 6. Oktober so viele Unterschriften wie möglich für unsere selbstorganisierte Europäische Bürgerinitiative (EBI) gegen TTIP und CETA zu sammeln. Helft uns dabei und unterschreibt jetzt:

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Zudem ist es höchste Zeit, unseren Protest gegen die Abkommen auf die Straße zu tragen! Mit einer bundesweiten Großdemonstration werden wir am 10. Oktober in Berlin ein kraftvolles Zeichen setzen.

Kommt zahlreich! Weitere Informationen zur Demo findet ihr hier.

Abstimmung zu TTIP: Rechtsstaatlicher Etikettenschwindel

„Das EU-Parlament setzt sich mit seinem Votum über die berechtigten Bedenken der europäischen Bevölkerung gegen TTIP hinweg. Die vorgebliche Ablehnung der überstaatlichen Schiedsgerichte ist nicht mehr als ein rechtsstaatlicher Etikettenschwindel. Auch ein klares Verbot von Verhandlungen über Datenschutz und Urheberrecht fehlt in dem nun beschlossenen Text.“, kritisiert Volker Tripp, politischer Referent des Vereins Digitale Gesellschaft.

Nach einer heftig geführten Debatte am gestrigen Dienstag hat das Plenum des Europäischen Parlaments heute über den Bericht zum geplanten Freihandelsabkommen TTIP abgestimmt. Das Votum hat für die EU-Kommission, welche die Verhandlungen auf europäischer Seite führt, zwar nur empfehlenden Charakter. Das Parlament bringt damit jedoch auch zum Ausdruck, welche Grenzen die Kommission nicht überschreiten darf, um die spätere Zustimmung des Parlaments zum Verhandlungsergebnis nicht zu gefährden. Noch im vergangenen Monat hatte Parlamentspräsident Martin Schulz eine geplante Abstimmung im Plenum aufgrund der hohen Zahl der Änderungsanträge abgesagt und zurück in den Handelsausschuss verwiesen. Dieser wiederum legte den Bericht einschließlich der Änderungsanträge nun erneut dem Plenum zur Beschlussfassung vor.

In zahlreichen wichtigen Punkten verspielte das Parlament leider die Chance, dringend erforderliche Nachbesserungen am ursprünglichen Text des Berichts vorzunehmen. Statt den geplanten überstaatlichen Schiedsgerichten (ISDS) eine klare und nachhaltige Absage zu erteilen, stimmten die Abgeordneten für einen wachsweichen Kompromiss. Das bislang vorgesehene ISDS-System soll demnach durch ein neues Konstrukt zur Beilegung von Investor-Staat-Streitigkeiten ersetzt werden. Auch wenn nun davon die Rede ist, diese Variante der Schiedsgerichte mit mehr rechtsstaatlichen Elementen zu versehen, so bleibt es dabei, dass für derartige Streitigkeiten eine Sondergerichtsbarkeit geschaffen werden soll, die sich einer demokratischen Kontrolle entzieht. Auch ändert der Kompromiss nichts an dem Umstand, dass multinationale Konzerne diese Verfahren gegenüber Staaten und ihren Organen als Druckmittel einsetzen können, um unliebsame Gesetzgebung zu verhindern.

Auch bei der regulatorischen Kooperation, in deren Rahmen Gesetzesvorhaben in einem mit Vertretern der EU, der USA und der transatlantischen Wirtschaft besetzten Gremium vorab abgestimmt werden, konnte sich das Parlament nicht zu einem deutlichen Nein durchringen. Ebenso versäumten die Abgeordneten, sich klar gegen die Verhandlung über Datenschutzregeln und geistige Eigentumsrechte auszusprechen. Damit gefährden sie nicht nur bestehende EU-Standards in diesen Bereichen, sondern setzen zugleich den Spielraum des europäischen Gesetzgebers bei den anstehenden Reformen des Datenschutzes und des Urheberrechts aufs Spiel.

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TTIP im EU-Parlament: Rote Linien für Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte

„Das Parlament muss die Bedenken der europäischen Bevölkerung ernst nehmen und der Kommission klare Grenzen bei der Verhandlung über das Freihandelsabkommen setzen. Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte dürfen nicht auf dem Altar des transatlantischen Handels geopfert werden. Datenschutz und Urheberrecht haben in TTIP deshalb ebenso wenig verloren wie antidemokratische Sondergerichte oder zwischenstaatliche Rechtssetzungsgremien.“, sagt Volker Tripp, politischer Referent des Vereins Digitale Gesellschaft.

Heute wird der Handelsausschuss im Europäischen Parlament über eine Resolution zum geplanten Freihandelsabkommen TTIP abstimmen. Dabei hat er die Gelegenheit, rote Linien zu definieren, welche die EU-Kommission bei den Verhandlungen mit den USA nicht überschreiten darf, um die Zustimmung des Parlaments nicht aufs Spiel zu setzen. Der Handelsausschuss hatte bereits vor knapp fünf Wochen einen Resolutionsvorschlag beschlossen. Bei der anschließenden Beratung im Plenum wurden jedoch so viele Änderungsanträge gestellt, dass die Abstimmung in den Handelsausschuss zurück verwiesen wurde.

Nachbessern muss der Ausschuss vor allem beim Datenschutz, beim Urheberrecht, bei der regulatorischen Kooperation und bei den überstaatlichen Schiedsgerichten. Die Erlaubnis zur Verhandlung über den Datenschutz sollte aus dem Resolutionstext verschwinden, so dass europäische Datenschutzregeln von TTIP weder berührt noch eingeschränkt werden können. Ebenso muss sich er Ausschuss für ein klares Verbot jeglicher Verhandlungen über das Urheber-, Patent- und Markenrecht entscheiden, um die notwendigen Spielräume für eine Reform durch den EU-Gesetzgeber zu bewahren. Zur Verteidigung demokratischer und rechtsstaatlicher Prinzipien muss die Resolution außerdem eine ausdrückliche und umfassende Absage jeder Art von über- oder nebenstaatlicher Sondergerichtsbarkeit beinhalten. Gleiches gilt für zwischenstaatliche Gremien, mit denen Gesetzesvorhaben im Rahmen der sogenannten regulatorischen Kooperation abgestimmt werden müssen.

Informationsfreiheit: Nach ACTA ist vor TTIP

Am Donnerstag kommender Woche wird vor dem Verwaltungsgericht Berlin eine Verhandlung stattfinden, die den vorläufigen Höhepunkt einer seit Anfang 2012 schwelenden rechtlichen Auseinandersetzung rund um das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) und das Freihandelsabkommen ACTA markiert.

Nachdem die damalige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die Ratifizierung des ACTA-Abkommens im Februar 2012 gestoppt hatte, stellte Mathias Schindler einen Antrag auf Herausgabe der Listen der Teilnehmer an den ACTA-Verhandlungen nach dem Informationsfreiheitsgesetz. Als dieser Antrag einen Monat später abgelehnt wurde, haben wir uns entschlossen, eine Klage gegen diese Ablehnung mit einer Crowdfunding-Kampagne zu unterstützen. Dank eurer großzügigen Mithilfe kamen dabei circa 7.000,- Euro zusammen.

Matthias Schindler wollte die Klage aus beruflichen Gründen nicht mehr persönlich fortführen, so dass unser damaliger Vorsitzender Markus Beckedahl einsprang, die Anfrage erneut stellte und nach der erwartbaren Ablehnung gerichtlich dagegen vorging.

Spenden

Bei der nun anstehenden Verhandlung geht es im Wesentlichen darum zu erfahren, welche Personen konkret für die Bundesregierung die ACTA-Verhandlungen geführt haben. Außerdem zielt die Klage darauf ab, Einblick in die als geheim eingestuften Verhandlungsdokumente zu erhalten. Mehr Einzelheiten zur Klage erfahrt Ihr drüben bei netzpolitik.org.

Die Bedeutung der Klage liegt vor allem in der Klärung der Frage, inwieweit und wie lange sich die Bundesregierung bei der Beantwortung von IFG-Anfragen zu Verhandlungen über internationale Verträge auf Geheimhaltungsinteressen berufen kann. Insbesondere wird es darum gehen, ob sie ein solches Interesse einseitig dadurch herleiten kann, dass sie gegenüber den Verhandlungspartnern Vertraulichkeitszusagen macht. Dies würde nämlich bedeuten, dass sie das Informationsinteresse der Bevölkerung bei Verhandlungen über internationale Verträge stets durch derartige Zusagen unterlaufen könnte. Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts wird daher auch für künftige IFG-Anfragen im Zusammenhang mit den Verhandlungen über Freihandelsabkommen wie TTIP, TiSA und CETA bedeutsam sein.