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Richtlinie zur Fluggastdatenspeicherung: EU-Parlament winkt Massenüberwachung des Reiseverkehrs durch

„Mit der Richtlinie zur Fluggastdatenspeicherung hat das EU-Parlament den Weg in ein komplett überwachtes Europa geebnet. Statt ihrer Verantwortung nachzukommen und die Grundrechte von 500 Millionen Europäern zu verteidigen, sind die Abgeordneten auf das sicherheitsesoterische Geschwurbel konservativer Hardliner reingefallen. Tatsächlich fehlen bis heute jegliche Belege und Indizien für die Wirksamkeit anlassloser Massenüberwachung bei der Bekämpfung von Terrorismus und Kriminalität.“, erklärt Alexander Sander, Hauptgeschäftsführer des Vereins Digitale Gesellschaft.

„Bundesregierung und Bundestag dürfen diese offenkundig grundrechtswidrige Richtlinie nun keinesfalls umsetzen, sondern müssen sie vom Europäischen Gerichtshof kassieren lassen. Gegen ein deutsches Gesetz zur Massenüberwachung des Reiseverkehrs werden wir uns mit allen zur Verfügung stehenden politischen und juristischen Mitteln zur Wehr setzen.“, so Sander weiter.

Das Europäische Parlament hat heute die umstrittene Richtlinie zur Einführung eines EU-weiten Systems zur Vorratsdatenspeicherung von Fluggastdaten beschlossen. Bei allen Flügen aus der und in die EU werden danach pro Passagier und Flugbuchung bis zu 60 Einzeldaten jeweils fünf Jahre lang gespeichert. Neben Angaben wie Name, Anschrift, Sitzplatz und Flugnummer befinden sich darunter auch sensible Informationen wie Essenwünsche, Kreditkartendaten oder E-Mail-Adressen. Die Daten werden permanent gerastert und mit anderen Datenbanken abgeglichen, um auffällige Verhaltensmuster aufzudecken und aktiv neue Verdächtige zu generieren. Bei innereuropäischen Flügen ist die Speicherung zwar ins Ermessen der Mitgliedstaaten gestellt, die EU-Innenminister haben aber bereits im Dezember 2015 geschlossen die Teilnahme an dem System verabredet. Vorgeblich soll all das zur Bekämpfung von Terrorismus und schwerer Kriminalität dienen.

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Dabei gibt es bislang noch nicht einmal Indizien, geschweige denn Beweise dafür, dass derartige Massenüberwachung ein geeignetes oder gar effektives Mittel zur Erreichung dieses Ziels darstellt. So konnten sich etwa im vergangenen Jahr die Terroranschläge von Paris ereignen, obwohl Frankreich schon seit 2006 Kommunikations- und Fluggastdaten anlasslos speichert. Wie schon die verdachtsunabhängige Vorratsdatenspeicherung von Kommunikationsdaten ist auch die Bevorratung von Fluggastdaten offensichtlich unverhältnismäßig und verstößt deshalb klar gegen die EU-Grundrechte auf Privatsphäre und den Schutz personenbezogener Daten.

Statt nun eilends die Umsetzung in deutsches Recht voranzutreiben, müssen Bundesregierung und Bundestag vielmehr ihre verfassungsmäßige Verpflichtung zum Schutz der Grundrechte wahrnehmen und die Richtlinie vor dem Europäischen Gerichtshof angreifen. Sollte das nicht geschehen, so wird der Digitale Gesellschaft e.V. alle politischen und juristischen Mittel ausschöpfen, um ein deutsches Gesetz zur Massenüberwachung des Reiseverkehrs zu kippen.

Geschäftsgeheimnis-Richtlinie: Kostenlose Telefonaktion gegen die Gefährdung von Pressefreiheit und Whistleblowern

Kontaktiert Eure EU-Abgeordneten per Telefon, und fordert sie auf, gegen die Geschäftsgeheimnis-Richtlinie zu stimmen. Um bestimmte Abgeordnete auszuwählen, klickt auf „Trade Secrets directive“ in dem Fenster des Telefon-Tools.

Geschäftgeheimnisrichtlinie – Worum geht es dabei?

Morgen wird im Europäischen Parlament über die Geschäftsgeheimnis-Richtlinie abgestimmt.

Während der ursprüngliche Zweck dieser Richtlinie die Verhinderung von Industriespionage war, geht die jetzige Fassung jedoch weit darüber hinaus: Sie gibt Unternehmen das Recht, jeden zu verklagen, der auf ihre internen Informationen zugreift, sie verwendet oder – wie etwa im Fall der Panama Papers – veröffentlicht. Unternehmen versuchen bereits heute, unabhängige Überprüfungen ihrer Produkte (z.B. Medikamente, Pestizide, Kfz-Emissionen) mit dem Hinweis, es handele sich dabei um Geschäftsgeheimnisse, zu verhindern. Durch die Richtlinie würden ihnen zusätzliche rechtliche Instrumente in die Hand gegeben, um missliebige Personen zu verklagen und Missstände zu vertuschen.

Blankorecht zum Verschleiern und Vertuschen

Eine gesamteuropäische Koalition zivilgesellschaftlicher Gruppen (Journalisten, Anwälte, Richter, Gewerkschaften, Verbände) ruft in einem offenen Brief dazu auf, die Richtlinie abzulehnen. Martin Pigeon vom Corporate Europe Observatory, ebenfalls Mitglied der Koalition, sagt dazu:

„Die Geschäftsgeheimnis-Richtlinie, über die morgen in Straßburg abgestimmt wird, ist zur Bekämpfung von Industriespionage gedacht, betrifft aber in Wahrheit beliebige Personen, selbst wenn sie ohne jede geschäftliche Zielsetzung handeln, sondern im Interesse der Öffentlichkeit Risiken auf sich nehmen. Bedingt durch einen von Beginn an haarsträubend großen Einfluss von Wirtschaftsinteressen auf die Richtlinie steht uns ein neues Blankorecht zur Geheimhaltung und Verschleierung für Unternehmen bevor. Wir fordern das Europäische Parlament daher dringend dazu auf, die Richtlinie abzulehnen. Stattdessen müssen die Abgeordneten von der Europäischen Kommission verlangen, einen verbesserten Vorschlag vorzulegen, mit dem Firmengeheimnisse geschützt werden, ohne damit zugleich Bürgerrechte zu bedrohen.“

Durch ihr Engagement hat die Koalition einige Verbesserungen erzielt, die jedoch keineswegs ausreichen. Der Teufel steckt wie so häufig im Detail: So berührt die Richtlinie gemäß Artikel 1 zwar nicht die Freiheit und Pluralität der Medien; nach Artikel 4 sind Pressevertreter und Whistleblower jedoch nur dann vor Verfolgung geschützt, wenn sie nachweisen, dass sie im öffentlichen Interesse zur Aufdeckung strafbarer Handlungen agiert haben. Damit wird die Beweislast einseitig denjenigen aufgebürdet, die Informationen öffentlich machen. Zudem ist gerade dieser Artikel – anders als andere Teile der Richtlinie – nicht von weiteren Verschärfungen im Rahmen der Umsetzung in nationales Recht ausgenommen.

Es ist daher dringend notwendig, die Mitglieder des Europäischen Parlaments telefonisch zu kontaktieren, damit sie die Richtlinie ablehnen.

Nutzt unser kostenloses Telefon-Tool Piphone!

Mit dem Piphone-Tool, das Ihr oben auf dieser Seite findet, könnt Ihr das sogar kostenlos tun. Hier ein paar allgemeine Hinweise zur Verwendung des Piphone:

  • Informiert Euch zu aller erst über das Thema, indem Ihr dem Link oben folgt.
  • Seid höflich und verstellt Euch nicht. Achtet darauf, keinen schlechten Eindruck von den Menschen zu hinterlassen, welche dieselbe Sache wie Ihr verteidigen – ganz egal ob Ihr mit Eurer Gesprächspartner*in einer Meinung seid oder nicht und ganz gleich, welche Ansichten andere Mitglieder der politischen Gruppierung Eures Gegenübers vertreten.
  • In der Regel werdet Ihr im Austausch mit einer/m parlamentarischen Assistentin/en stehen, nicht aber direkt mit den Abgeordneten selbst.
  • Lasst Euch nicht verunsichern, falls die/der Gesprächspartner*in Euch eine Frage stellt, die Ihr nicht spontan beantworten könnt. Keiner erwartet von Euch, dass Ihr Experten seid. Ihr seid einfach engagierte Bürger*innen. Sagt Eurer/m Gesprächspartner*in in einem solchen Fall, dass Ihr Euch kundig machen und zurückrufen werdet, sobald Ihr mit der Antwort aufwarten könnt. Zögert nicht, uns um Hilfe zu bitten.
  • Verzweifelt nicht, falls Ihr mit Euren Argumenten nicht durchdringen könnt. Dreht den Spieß einfach um und fragt, welche Position die Abgeordneten vertreten und welche Argumente sie dafür vorbringen können.
  • Schreckt in Euren Telefonaten nicht davor zurück anzubieten, in einem späteren Anruf weitere Informationen nachzureichen, die Abgeordneten persönlich zu treffen, Dokumente zu übersenden oder Nachweise und Quellen zur Verfügung zu stellen. Es kann sein, dass die/der Assistent*in Euch bittet, eine E-Mail zu schicken. In einem solchen Fall solltet Ihr einige Zeit später anrufen, um Euch zu vergewissern, dass Eure E-Mail zur Kenntnis genommen wurde. Bittet Euer Gegenüber bei der Gelegenheit auch um eine Einschätzung Eurer Eingabe.

Oder schreibt Mails mit persönlicher Note.

Wer nicht so gerne telefoniert, kann die Mitglieder des EU-Parlaments auch per E-Mail kontaktieren. Die Adressen der Abgeordneten findet Ihr auf unserem Wiki.

Gelegentlich wird vorgeschlagen, generische Formularmails an sämtliche Parlamentarier zu verschicken, selbst wenn diese gar nicht über das betreffende Thema abstimmen. Wir halten derartige Massenmailings nicht für sinnvoll, sondern im Gegenteil für kontraproduktiv. Die Abgeordneten und ihre Assistentinnen/en sind genauso wie Ihr in der Lage, Spam-Filter zu verwenden, so dass derartige Mails schnell im Spam-Ordner landen. Generische Formularmails erwecken den Eindruck, dass Ihr nicht bereit seid, die nötige Zeit aufzuwenden, um Euch mit der Materie zu befassen. Außerdem lassen sie nicht erkennen, wie viele Leute sich wirklich an der Aktion beteiligen (eine einzelne Person kann ohne Weiteres mehrere Mails versenden).

Schlimmer noch, solche Mails erhöhen das Risiko, dass die Abgeordneten auch die personalisierten Mails zum gleichen Thema nicht einmal lesen. Wenn Ihr unbedingt Euren Namen unter einen bereits fertigen Text setzen möchtet, seid Ihr mit einer Petition vielleicht besser bedient. Weitaus erfolgversprechender ist es, eine persönliche Mail basierend auf Eurer eigenen Herangehensweise und Eurem eigenen Wissen zur Sache zu versenden. Am besten achtet Ihr dabei auch auf die Positionen der jeweiligen politischen Gruppierung, der die Parlamentarier angehören. Und seid versichert: niemand erwartet von Euch, dass Ihr Experten seid.

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Vorratsdatenspeicherung von Passagierdaten: Protest gegen Massenüberwachung des EU-Reiseverkehrs

„Die Vorratsdatenspeicherung von Reisedaten macht Europa zum überwachten Kontinent. Schon im April 2014 hat der Europäische Gerichtshof anlasslosen, mehrjährigen Datenspeicherungen eine klare Absage erteilt. Bis heute fehlen Belege und Indizien für die Wirksamkeit einer Fluggastdatenspeicherung bei der Bekämpfung von Terrorismus und schwerer Kriminalität. Winkt das Europäische Parlament nun die PNR-Richtlinie durch, so verstößt es damit nicht nur klar gegen EU-Grundrechte, sondern greift auch der Entscheidung des Gerichtshofs über das PNR-Abkommen mit Kanada vor. Wir haben daher dazu aufgerufen, sich unserer Protestaktion anzuschließen und die Abgeordneten zur Verhinderung einer europaweiten Fluggastdatenspeicherung aufzufordern.“, erklärt Alexander Sander, Hauptgeschäftsführer des Vereins Digitale Gesellschaft.

Am kommenden Donnerstag wird das Europäische Parlament abschließend über eine EU-Richtlinie zur Einführung eines europäischen Systems zur Fluggastdatenspeicherung (EU-Passenger Name Record, kurz EU-PNR) abstimmen. Bei allen Flügen aus der und in die EU sollen pro Passagier und Flugbuchung bis zu 60 Einzeldaten anlasslos erhoben und bis zu fünf Jahre lang gespeichert werden. Für innereuropäische Flüge ist die Speicherung zwar nicht zwingend vorgeschrieben, die EU-Innenminister hatten aber bereits Ende 2015 die freiwillige Teilnahme der Mitgliedstaaten verabredet. Gespeichert werden sollen neben Name, Adresse, Sitzplatz und Flugnummer unter anderem auch Angaben wie die Essenswünsche, die wiederum Rückschlüsse auf sensible Daten wie etwa die Religionszugehörigkeit erlauben. Die Informationen sollen fortlaufend algorithmisch ausgewertet und mit anderen Datenbanken abgeglichen werden, um auffällige Verhaltensmuster zu identifizieren und aktiv neue Verdächtige zu generieren.

Eine solche EU-weite verdachtsunabhängige, mehrjährige Bevorratung von Reisedaten widerspricht bereits klar dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Vorratsdatenspeicherung von Kommunikationsdaten vom April 2014. Außerdem liegt dem EuGH aktuell ein PNR-Abkommen mit Kanada zur Überprüfung vor, welches eine inhaltlich identische Fluggastdatenspeicherung vorsieht. Daher sollte das Parlament mindestens die für Juli erwartete Entscheidung des EuGH abwarten, um dem Gerichtshof nicht vorzugreifen. Mit Blick auf die Grundrechte wäre es jedoch am besten, ein System zur massenhaften Überwachung des Reiseverkehrs in Europa gar nicht erst einzuführen.

Der Digitale Gesellschaft e.V. hat daher eine Protestaktion ins Leben gerufen. Mit kurzen Videos konnten alle, die sich gegen die Massenüberwachung des Reiseverkehrs wehren möchten, die Abgeordneten dazu auffordern gegen die EU-PNR-Richtlinie zu stimmen. Zu diesem Zweck haben wir neben umfangreichen Informationen über die geplante Fluggastdatenspeicherung auch Hilfestellung beim Anfertigen der Videos angeboten. Außerdem haben wir sämtliche eingegangenen Videos, unter anderem von prominenten Unterstützern wie Constanze Kurz von Netzpolitik.org oder dem ehemaligen Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar, heute an die deutschen Mitglieder des Europäischen Parlaments weitergeleitet, um dem Protest Gehör zu verschaffen.

Unser Schreiben an die Abgeordneten des Europäischen Parlaments finden Sie hier:
https://digitalegesellschaft.de/wp-content/uploads/2016/04/EUPNR-Anschreiben-Brief.pdf

Näheres zu unserer Videoaktion sowie die komplette Playlist finden Sie hier:
https://digitalegesellschaft.de/2016/01/nopnr-videoaktion/

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Weitere Informationen zur Fluggastdatenspeicherung und unserer Protestaktion finden Sie hier:

Nein zum überwachten Europa: Verhindert die Vorratsdatenspeicherung von Reisedaten
http://digitalegesellschaft.de/2016/04/aufruf-abstimmung-pnr/

Massenüberwachung des Reiseverkehrs vor dem Aus: EU-Abkommen mit Kanada auf dem Prüfstand
http://digitalegesellschaft.de/2016/04/vds-reisedaten-kanada-eugh/

Reisedaten: Gerichtshof verhandelt zu geplantem EU-Abkommen mit Kanada
http://digitalegesellschaft.de/2016/04/pnr-kanada-eugh/

Fluggastdatenspeicherung: Politischer Rückhalt für Massenüberwachung des Reiseverkehrs bröckelt
https://digitalegesellschaft.de/2016/02/pnr-rueckhalt-broeckelt/

FAQ – EU-Vorratsdatenspeicherung von Reisedaten
https://digitalegesellschaft.de/2016/01/faq-eupnr/

Fluggastdaten: EU-Innenausschuss winkt Totalüberwachung des Reiseverkehrs durch
https://digitalegesellschaft.de/2015/12/fluggastdaten-innenausschuss/

Fluggastdaten: Speicherung auf Vorrat macht Europa zum überwachten Kontinent
https://digitalegesellschaft.de/2015/12/fluggastdaten-ueberwachter-kontinent/

Nein zum überwachten Europa: Verhindert die Vorratsdatenspeicherung von Reisedaten

Die nächste gigantische Vorratsdatenspeicherung steht vor der Tür und es bleibt nur noch eine knappe Woche, um das Europäische Parlament davon abzuhalten, Europa in einen überwachten Kontinent zu verwandeln.

Darum: Beteiligt Euch an unserer Videoaktion gegen die Massenüberwachung des europäischen Reiseverkehrs und ruft die EU-Abgeordneten gemeinsam mit uns dazu auf, gegen die Richtlinie für ein europaweites System zur Fluggastdatenspeicherung zu stimmen.

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Worum geht es?
Schon am 14. April, also am Donnerstag kommender Woche, wird das Europäische Parlament über eine EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung von Passagierdaten (kurz: EU-PNR) abstimmen.

Die Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten dazu, bei allen Flügen aus der und in die EU pro Passagier und Flugbuchung bis zu 60 Einzeldaten für jeweils fünf Jahre in zentralisierten Datenbanken zu speichern. Für innereuropäische Flüge ist die Speicherung zwar optional, doch die Innenminister der Mitgliedstaaten haben bereits im vergangenen Dezember vereinbart, auch diese Daten zu bevorraten.

Gespeichert werden neben Name, Adresse, Sitzplatz und Flugnummer unter anderem auch Angaben zu den Essenspräferenzen, welche wiederum Rückschlüsse auf sensible Informationen wie etwa die Religionszugehörigkeit erlauben. Als besonders belastend können sich zudem Einträge in ein vorgesehenes Freifeld auswirken, in welchem Airline-Mitarbeiter ungeprüft eigene Beobachtungen oder Einschätzungen über die Fluggäste vermerken können. Die gespeicherten Informationen werden permanent automatisiert gerastert und mit anderen Datenbanken abgeglichen, um sogenannte „problematische Verhaltensmuster“ aufzudecken und aktiv neue Verdächtige zu generieren. Die Polizeibehörden der Mitgliedstaaten dürfen die Daten untereinander sowie mit Europol austauschen.

Ziel dieser geplanten Massenüberwachung des europäischen Reiseverkehrs ist vorgeblich die Bekämpfung von Terrorismus und schwerer Kriminalität. Bislang fehlt es aber an jeglichen konkreten Nachweisen dafür, dass eine Fluggastdatenspeicherung für diesen Zweck ein taugliches Mittel wäre. Ganz im Gegenteil konnten sich beispielsweise die Mordanschläge von Paris im Januar und November 2015 ereignen, obwohl Frankreich bereits seit 2006 über Überwachungsinstrumente wie die Vorratsdatenspeicherung von Kommunikations- und Fluggastdaten verfügt. Die Attentäter befanden sich sogar schon lange vor den Anschlägen fast allesamt auf dem Radar der Behörden und konnten trotzdem ungehindert kreuz und quer durch Europa und in den Nahen Osten reisen. Gerade angesichts dieser behördlichen Versäumnisse leuchtet es nicht ein, die bereits vorhandenen Datenberge weiter zu vergrößern und die Suche nach der Nadel im Heuhaufen damit noch schwieriger zu gestalten.

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Wie kam es dazu?
Bereits 2011 unterbreitete die EU-Kommission einen Vorschlag für eine EU-Richtlinie zur Fluggastdatenspeicherung. Nachdem sich Parlament und Ministerrat Ende 2015 im Rahmen des Trilogs auf eine gemeinsame Fassung der Richtlinie geeinigt hatten, war die endgültige Abstimmung im Plenum ursprünglich für Anfang Februar 2016 vorgesehen. In den Fraktionen der Liberalen, Sozialdemokraten und vereinzelt selbst der Konservativen regten sich dann allerdings Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Richtlinie, weshalb die Abstimmung mehrfach verschoben wurde. Zuletzt sollte sie im Juni zusammen mit der Abstimmung über die Datenschutzreform stattfinden.

Nun fürchten insbesondere konservative Kräfte darum, dass ihnen die parlamentarische Mehrheit für die Richtlinie zur Fluggastdatenspeicherung abhanden kommen könnte. Hintergrund ist eine Verhandlung, die am Dienstag dieser Woche vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) stattfand. Dort ging es um ein geplantes Abkommen zwischen der EU und Kanada über die Vorratsdatenspeicherung von Passagierdaten. Auch dieses Abkommen sieht vor, bis zu 60 Einzeldaten pro Flugbuchung und Fluggast für insgesamt fünf Jahre zu speichern. Die Nachfragen und Kommentare der Richter ließen klar die äußerst kritische Haltung des EuGH zu dem geplanten Abkommen erkennen. Mit einem Votum des Generalanwalts beim EuGH ist Ende Juni, mit der Entscheidung des Gerichhofs etwa Mitte Juli zu rechnen.


Bei FluxFM sprachen wir über die Verhandlung zum KanadaPNR.

Kommt er EuGH zu dem Ergebnis, dass das Abkommen mit Kanada gegen EU-Grundrechte verstößt, so wäre auch die Richtlinie, die im Kern ebenfalls eine anlasslose, verdachtsunabhängige, mehrjährige Speicherung personenbezogener Daten vorsieht, politisch nicht mehr zu halten. Daher machen die Befürworter der Fluggastdatenspeicherung nun Druck und wollen die Richtlinie so schnell wie möglich durch das Parlament jagen. Im Hintergrund laufen bereits die Vorbereitungen zur Einführung des Systems. Statewatch leakte kürzlich ein geheimes Papier des Ministerrates, aus dem hervorgeht, dass 14 EU-Mitgliedstaaten seit Januar 2016 bereits den Austausch der PNR-Daten im Probebetrieb testen. Seit November 2015 treiben außerdem insgesamt 17 Mitgliedstaaten, darunter auch Deutschland, gemeinsam mit EU-Kommssion, Frontex, Europol und Interpol die Entwicklung eines Datenformats voran, welches den Austausch erleichtern soll.

Was könnt Ihr dagegen tun?
Wir haben bereits vor längerer Zeit eine Videoaktion in Leben gerufen, um die Totalüberwachung des europäischen Reiseverkehrs zu stoppen. Prominente Unterstützer wie Constanze Kurz von netzpolitik.org und der ehemalige Datenschutzbeauftragte Peter Schaar haben bereits Videos beigesteuert.

Auch Ihr seid eingeladen, an der Aktion teilzunehmen: nehmt Eure Smartphones, DV-Kameras oder Webcams zur Hand und ruft die EU-Abgeordneten dazu auf, am 14. April gegen die Richtlinie zu EU-PNR zu stimmen. Wir stehen Euch dabei auch gern mit Rat und Tat zu Seite, falls Ihr selbst Schwierigkeiten damit habt, ein Video anzufertigen. Falls Ihr keinen eigenen Account habt, könnt Ihr uns das Video auch an fluggastdaten@digitalegesellschaft.de schicken und wir laden es dann auf unserem Youtube-Account hoch und verbreiten es.

Verseht Eure Videos mit den Tags NoPNR, EU-PNR, Vorratsdatenspeicherung und Fluggastdaten. Wenn Ihr auf Twitter kommuniziert, dann nutzt den Hashtag #NoPNR. Mehr Informationen zum Thema findet Ihr in den Links am Ende dieses Beitrags sowie bei unserem Kampagnenpartner NoPNR! unter nopnr.org.

So könnte Eure Nachricht an die EU-Abgeordneten aussehen:

Für Freunde der Post haben wir auch eine Postkarten-Aktion ins Leben gerufen. Ihr könnt bei uns Postkarten bestellen, die ihr dann an eure EU-Abgeordneten schicken könnt. Schreibt dafür einfach eine kurze Mail an info@digitalegesellschaft.de und wir schicken Euch die Karten zu. Über eine kleine Spende, um die Kosten für Produktion und Porto zu decken, würden wir uns sehr freuen.

Weiterführende Informationen findet Ihr hier:
Fluggastdatenspeicherung: Politischer Rückhalt für Massenüberwachung des Reiseverkehrs bröckelt
https://digitalegesellschaft.de/2016/02/pnr-rueckhalt-broeckelt/ 

 Wir fordern: NoPNR! Videoaktion gegen die EU-Vorratsdatenspeicherung von Reisedaten
FAQ – EU-Vorratsdatenspeicherung von Reisedaten
Fluggastdaten: EU-Innenausschuss winkt Totalüberwachung des Reiseverkehrs durch
Fluggastdaten: Speicherung auf Vorrat macht Europa zum überwachten Kontinent

Massenüberwachung des Reiseverkehrs vor dem Aus: EU-Abkommen mit Kanada auf dem Prüfstand

Am heutigen Vormittag fand vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) die mündliche Verhandlung im Verfahren um das geplante Fluggastdatenabkommen zwischen der EU und Kanada statt. Das Europäische Parlament (EP) hatte den Entwurf der Übereinkunft im November 2014 an den Gerichtshof überwiesen, um die Vereinbarkeit mit dem EU-Recht überprüfen zu lassen.

Im April desselben Jahres hatte der EuGH Maßnahmen der anlasslosen Massenüberwachung mit seinem Urteil zur Vorratsdatenspeicherung von Kommunikationsdaten eine deutliche Absage erteilt. Vor diesem Hintergrund bezweifelte damals die Mehrheit der Abgeordneten, dass das PNR-Abkommen im Einklang mit den EU-Grundrechten auf Privatsphäre und den Schutz personenbezogener Daten stehe. Zudem warfen die Parlamentarier die Frage auf, welche Bestimmung im Recht der EU überhaupt als taugliche Rechtsgrundlage für die PNR-Vereinbarung mit Kanada herhalten könne.

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Juristischer Dienst des EP: Grundrechte und Verhältnismäßigkeit verletzt

Bei der heutigen Verhandlung trugen alle an dem Abkommen beteiligten Stellen der EU sowie die Vertreter einiger Mitgliedstaaten ihre Standpunkte vor. Dabei äußerte sich der juristische Dienst des EP kritisch zu der Übereinkunft und stellte die Vereinbarkeit mit den EU-Grundrechten in Frage. Besonders bemängelte die Vertreterin des EP den Umstand, dass das Abkommen keine ausreichenden Rechtsschutzmöglichkeiten gegen Datenschutzverstöße für Bürgerinnen und Bürger der EU vorsieht und eine unabhängige Aufsicht über die Datenverarbeitung vermissen lässt.

Der juristische Dienst sah aufgrund des Umfangs und der Art der Datenverwendung außerdem den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz verletzt. So sieht das Abkommen nicht nur vor, dass die PNR-Daten übermittelt, gespeichert und an Drittstaaten, etwa die USA, weitergegeben werden dürfen; vielmehr sollen sie auch durch automatisiertes Profiling ständig systematisch analysiert und mit anderen Datenbanken abgeglichen werden.

Juristischer Dienst des Ministerrats: Leere Vorwürfe und vage Versprechungen

Der juristische Dienst des Ministerrates versuchte hingegen, das Abkommen mit teils abenteuerlichen Argumenten zu verteidigen. So wies die Vertreterin des Rates etwa darauf hin, dass das EP keine Probleme gehabt habe, PNR-Abkommen mit den USA und Australien durchzuwinken. Unerwähnt ließ sie dabei, dass erst das Urteil des EuGH zur Vorratsdatenspeicherung vom April 2014 die Abgeordneten veranlasst hatte, dem Gerichtshof auch das geplante PNR-Abkommen mit Kanada vorzulegen. Die Abkommen mit den USA und Australien hingegen wurden bereits 2012 geschlossen.

Ebenso wenig gelang es der Vertreterin des Rates, den vom Parlament aufgeworfenen Bedenken gegen die fehlenden Rechtsschutzmöglichkeiten entgegenzutreten. Sie begnügte sich lediglich mit dem vagen Versprechen dass Kanada nun neue Gesetze erlassen werde, die entsprechende Rechtsbehelfe auch für Europäerinnen und Europäer vorsehen. Woher sie das weiß und wie genau diese Rechtsbehelfe aussehen könnten, behielt sie für sich.

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EU-Kommission: Lügen für mehr Überwachung

Ähnlich desaströs fiel auch der Auftritt der EU-Kommission aus, die das Abkommen mit Kanada ausgehandelt hatte. Deren Vertreterinnen gaben sich große Mühe, die Anwendbarkeit des EuGH-Urteils zur Vorratsdatenspeicherung von Kommunikationsdaten zu bestreiten. Dabei schreckten sie selbst vor offenkundigen Lügen nicht zurück. So wiesen sie etwa darauf hin, dass die PNR-Daten nach 30 Tagen „anonymisiert“ würden und deshalb gar keine personenbezogenen Daten mehr vorlägen. Das ist natürlich vollkommen unrichtig, da die Daten lediglich pseudonymisiert werden und jederzeit wieder lesbar gemacht werden können.

Auch in Bezug auf die Rechtsbehelfe und eine unabhängige Aufsicht über die Datenverarbeitung sah die Kommission keine Probleme, da sich Betroffene ja an die europäischen Datenschutzbehörden wenden könnten. Dies genügt in keiner Hinsicht den strengen Anforderungen an Rechtsschutz und Aufsicht, die der EuGH im Rahmen seiner „Safe Harbor“ Entscheidung bei Datenübermittlungen an Drittstaaten aufgestellt hatte.

Mitgliedstaaten: Esel, Heuhaufen, gefährliche Menschen und Anekdoten

Auch die Sprecher der Mitgliedstaaten gaben sich alle Mühe, für das Abkommen zu argumentieren. Teils kam es dabei zu erheiternden Szenen, etwa als der Vertreter Estlands die etwas kryptisch anmutende Frage einwarf, ob ein Esel verhungern würde, wenn er sich zwischen zwei Heuhaufen entscheiden müsste. Großen Wert legten die Mitgliedstaaten auch auf die Feststellung, das Abkommen sei erforderlich, um „gefährliche Menschen zu verfolgen“ (Estland). Irland betonte zudem, dass bereits die vom Parlament angeregte rechtliche Überprüfung des Abkommens die internationale Zusammenarbeit bedrohe.

In den Beiträgen der Mitgliedstaaten nahm außerdem die Frage nach dem Nutzen und der Verhältnismäßigkeit des PNR-Abkommens großen Raum ein. Wie zu erwarten war, wurden dazu lediglich Anekdoten vorgetragen, aber keinerlei konkrete Beweise präsentiert. Stattdessen wiederholte insbesondere der Sprecher Frankreichs geradezu mantrahaft, dass die Datenspeicherung bei der Bekämpfung von Terrorismus und schwerer Kriminalität nützlich sein könnte.

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Europäischer Datenschutzbeautragter: PNR weckt Begehrlichkeiten nach sensiblen Daten

Ein gutes Gegengewicht bildete der Vortrag von Anna Buchta, Vertreterin des Europäischen Datenschutzbeauftragten. Sie wies zunächst darauf hin, dass auch andere Staaten wie etwa Saudi Arabien und Russland Interesse an den PNR-Daten und dem Abschluss entsprechender Abkommen mit der EU hätten. Vereinbarungen wie mit Kanada wecken demnach auch bei anderen Staaten Begehrlichkeiten, so dass der Datenaustausch schnell ins Uferlose wachsen könnte.

Wegen des sensiblen Charakters der betroffenen Informationen (z.B. Religionszugehörigkeit aufgrund der Essenspräferenzen) sei die Speicherung der PNR-Daten höchst intrusiv, so Buchta. Dies gelte umso mehr, als dass die Daten zur Erstellung von Persönlichkeitsprofilen und zur automatisierten Erkennung von Verhaltensmustern verwendet würden. Sehr deutlich trat Buchta auch der Einschätzung der Kommission entgegen, dass Kanada über eine funktionierende unabhängige Datenschutzaufsicht verfüge.

Berichterstattender Richter: Kritische Fragen und viele Probleme

An die Vorträge der verschiedenen EU-Institutionen und Mitgliedstaaten schloss sich eine Fragerunde durch den berichterstattenden Richter Thomas von Danwitz an. Bereits die Art der Fragestellung ließ erfreulicherweise klar die kritische Haltung des Gerichts zum geplanten Abkommen erkennen. So wies der Richter insbesondere die Kommission auf zahlreiche Unschärfen und Unklarheiten im Abkommen hin und monierte, dass die Datenschutzgarantien für Bürgerinnen und Bürger der EU nicht Teil des eigentlichen Vertragstextes sind, sondern sich nur im Anhang finden. Von Danwitz störte sich außerdem daran, dass das Abkommen das Ausmaß, in dem die Daten mit kanadischen Datenbanken abgeglichen werden können, in keiner Weise limitiert.

Ebenso kritisch äußerte sich von Danwitz zu dem Umstand, dass das Abkommen es nur zulasse, die Zulässigkeit von Datenübermittlungen nachträglich zu überprüfen. Dies halte er mit Blick auf die Durchsetzung der Rechte auf Privatsphäre und den Schutz personenbezogener Daten für besorgniserregend. Auch die Tatsache, dass die Daten einer Person sogar nach ihrer Ausreise aus Kanada dort noch bis zu 5 Jahre gespeichert bleiben, bezeichnete von Danwitz als problematisch. In diesem Zusammenhang zeigte sich der Richter auch ein wenig verärgert über die Falschbehauptung der Kommission, dass die Daten nach 30 Tagen anonymisiert würden. Entsprechend belehrte er sie darüber, dass die Daten tatsächlich nur pseudonymisiert werden. Um die Bedeutsamkeit des Unterschieds zwischen Anonymisierung und Psedonymisierung zu verdeutlichen, verwies von Danwitz darüber hinaus auch auf die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, wonach die Speicherung von personenbezogenen Daten eine Stigmatisierung der betroffenen Person zur Folge haben kann.

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Generalanwalt und andere Richter: Zu wenig Schutzmechanismen, zu viel Unklarheit

Ähnlich kritisch fielen auch die anschließenden Nachfragen des Generalanwalts beim EuGH, Paolo Mengozzi, sowie weiterer Richter am EuGH aus. So hielt Mengozzi der EU-Kommission vor, es sei absurd, dass das Abkommen zwar regelt, unter welchen Voraussetzungen kanadische Behörden die PNR-Daten an Drittstaaten weitergeben dürfen, jedoch keine Vorgaben für die weitere Verwendung der Daten durch Drittstaaten enthält. Mengozzi wies außerdem auf verschiedene Unklarheiten in dem Abkommen hin; so sei noch nicht einmal klar, ob sich daraus für die Airlines überhaupt eine Verpflichtung zur Übermittlung der PNR-Daten ergebe.

Auch die Fragen der Richter ließen im Weiteren erhebliche Zweifel an der Vereinbarkeit des Abkommens mit den Vorgaben des EU-Rechts erkennen. So bemängelten sie etwa, dass die Regelungen offen lassen, welche Angaben als sensible Daten gelten und wie kanadische Behörden ihren Schutz sicherzustellen haben.

Resummee: Das PNR-Abkommen mit Kanada steht auf hauchdünnem Eis

Die überaus lange Verhandlungsdauer von mehr als fünf Stunden und die zahlreichen Nachfragen der Richter und des Generalanwalts lassen klar erkennen, dass der EuGH das PNR-Abkommen mit Kanada als äußerst problematisch bewertet. Sowohl die mangelnde Bestimmtheit des Textes als auch die überlange Speicherdauer, die bloße Pseudonymisierung der Daten und die fehlenden Datenschutzvorkehrungen wie effektive Rechtsbehelfe und unabhängige Aufsicht wurden von Richtern und Generalanwalt gerügt. Auch über die einschlägige Rechtsgrundlage für das Abkommen bestand bis zum Schluss der Verhandlung keine Einigkeit.

Die Chancen stehen daher gut, dass der EuGH das Abkommen wegen Verstoß gegen EU-Grundrechte verwerfen wird. Ende Juni wird der Generalanwalt sein Schlussplädoyer präsentieren, einige Wochen später folgt das eigentliche Gutachten des EuGH. Bis zu diesem Zeitpunkt sollte das EU-Parlament nicht nur mit der Entscheidung über das PNR-Abkommen mit Kanada warten. Wegen der Signalwirkung der EuGH-Entscheidung sind die Abgeordneten gut beraten, auch die Abstimmung über die Richtlinie für ein EU-weites PNR-System auszusetzen, bis sie Klarheit über die rechtliche Bewertung derartiger Massenspeicherungen personenbezogener Daten erhalten haben. Ansonsten laufen sie Gefahr, eine grundrechtswidrige Richtlinie auf den Weg zu bringen, und dem Vertrauen in ihre Fähigkeit, die Rechte der Bürgerinnen und Bürger Europas zu verteidigen, schweren Schaden zuzufügen.

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Unser Mitglied Ralf Bendrath hat live aus dem Gerichtssaal getwittert. Auf seinem Twitteraccount könnt Ihr seine Berichterstattung nachlesen.

Weitere Informationen und Hintergründe zur Fluggastdatenspeicherung findet Ihr hier:

Fluggastdatenspeicherung: Politischer Rückhalt für Massenüberwachung des Reiseverkehrs bröckelt https://digitalegesellschaft.de/2016/02/pnr-rueckhalt-broeckelt/ 
Wir fordern: NoPNR! Videoaktion gegen die EU-Vorratsdatenspeicherung von Reisedaten
FAQ – EU-Vorratsdatenspeicherung von Reisedaten
Fluggastdaten: EU-Innenausschuss winkt Totalüberwachung des Reiseverkehrs durch
Fluggastdaten: Speicherung auf Vorrat macht Europa zum überwachten Kontinent

Fluggastdatenspeicherung: Politischer Rückhalt für Massenüberwachung des Reiseverkehrs bröckelt

Die Proteste gegen die geplante Massenüberwachung des europäischen Flugreiseverkehrs zeigen erste Wirkung. Bereits Ende vergangenen Jahres hatten sich die Unterhändler von Ministerrat und EU-Parlament im Rahmen der Trilog-Verhandlungen auf eine Kompromissfassung für eine Richtlinie zur EU-weiten Fluggastdatenspeicherung (EU-Passenger Name Record, kurz EU-PNR) geeinigt. In dieser Woche sollte eigentlich die endgültige Abstimmung im Plenum des Europäischen Parlaments stattfinden. Wie aus Brüsseler Kreisen zu erfahren war, wurde der geplante Termin nun jedoch überraschend verschoben. Zum finalen Votum über die Richtlinie wird es daher voraussichtlich erst Ende Februar oder Anfang März Ende April kommen kommen.

In den Fraktionen der Liberalen, der Konservativen und der Sozialdemokraten regen sich offenbar Zweifel an der Rechtmäßigkeit der geplanten Richtlinie. Entsprechend nervös werden nun die Befürworter der Fluggastdatenspeicherung, sehen sie doch ihre als sicher geglaubte Mehrheit in Gefahr. Dabei ist es angesichts der äußerst klaren Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Vorratsspeicherung von Kommunikationsdaten schon fast verwunderlich, dass erst zu einem so späten Zeitpunkt Skepsis an der Vereinbarkeit der Fluggastdatenspeicherung mit europäischen Grundrechten aufkommt. In der damaligen Entscheidung hoben die Luxemburger Richter nämlich nicht nur die Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung auf, sondern definierten zugleich die grundrechtlichen Grenzen für jegliche Art von staatlich verordneten Massenspeicherungen personenbezogener Daten.

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Als unverhältnismäßig und damit grundrechtswidrig sah das Gericht in der damaligen Entscheidung bereits den Umstand an, dass die Datensammlung anlasslos und verdachtsunabhängig erfolgt. Genau dies ist aber auch bei der nun vorgesehenen Fluggastdatensammlung der Fall, da bei jeder Flugbuchung von sämtlichen Passagieren stets bis zu 60 Einzeldaten erfasst und in sogenannten Passenger Information Units vorgehalten werden sollen. Dafür bedarf es weder eines Anhaltspunktes für die Verwicklung einzelner Fluggäste in schwere Straftaten, noch eines sachlichen Zusammenhangs zwischen den gespeicherten Daten und der Verfolgung solcher Delikte. In der Tat ist es kaum nachvollziehbar, dass etwa Angaben über das präferierte Bordessen einen wesentlichen Betrag zur Bekämpfung des Terrorismus und schwerer Straftaten leisten sollen.

Ebenso stieß sich der EuGH bei der Vorratsspeicherung von Kommunikationsdaten an der Richtlinien-Vorgabe, dass die Daten zwischen sechs Monaten und zwei Jahren vorzuhalten seien. Hier bemängelte das Gericht, dass die Festlegung der Speicherdauer pauschal erfolgte und nicht differenziert nach unterschiedlichen Datenkategorien und ihrem jeweiligen Nutzen für die Strafverfolgung stattgefunden habe. Außerdem, so die Richter weiter, beruhe die Speicherdauer nicht auf objektiven Kriterien, die gewährleisten könnten, dass der Eingriff auf das absolut Notwendige beschränkt sei. Auch diese Kritikpunkte treffen wiederum auf die nun geplante Fluggastdatenspeicherung zu. Sämtliche Passagierdaten sollen pauschal und ohne Abstufung nach ihrer Nützlichkeit für die Strafverfolgung für insgesamt fünf Jahre vorgehalten werden. Für die Bemessung dieses Speicherzeitraums fehlt obendrein auch eine sachliche Begründung, so dass nicht nachvollziehbar ist, ob der Eingriff auf das absolut Notwendige beschränkt ist.

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Es gibt also gute Gründe dafür, die geplante PNR-Richtlinie als Verstoß gegen EU-Grundrechte anzusehen. Da sich diese Einsicht nun offenbar auch bei mehr und mehr Mitgliedern des Europäischen Parlaments durchsetzt und der politische Rückhalt für die Massenüberwachung des europäischen Reiseverkehrs zu bröckeln beginnt, ist es besonders wichtig, den Protest gegen das Vorhaben noch einmal zu verstärken.

Wir begleiten das Thema schon lange und haben uns immer wieder mit Analysen, Eingaben und Appellen an die Parlamentarier gewandt, um sie davon zu überzeugen, gegen die Fluggastdatenspeicherung zu votieren. Nun, kurz vor der endgültigen Abstimmung im Plenum, haben wir eine Videoaktion ins Leben gerufen, um die Abgeordneten zur Verhinderung von EU-PNR aufzurufen. Dazu brauchen wir Eure Hilfe. Was Ihr gemeinsam mit uns jetzt tun könnt und wie Ihr Euch schnell und einfach an der Aktion beteiligt, erfahrt Ihr hier.

Fluggastdaten: EU-Innenausschuss winkt Totalüberwachung des Reiseverkehrs durch

„Mit der Totalüberwachung des Reiseverkehrs schlägt die EU einen gefährlichen Irrweg ein. Die geplante Richtlinie wird allenfalls ein trügerisches Sicherheitsgefühl auf Kosten der Grundrechte erzeugen. Bis heute fehlen Belege für die Wirksamkeit der Fluggastdatenspeicherung bei der Bekämpfung schwerer Straftaten. Außerdem hat der Europäische Gerichtshof anlasslosen Massendatensammlungen schon im vergangenen Jahr eine klare Absage erteilt. Statt den Fehler des Innenausschusses zu wiederholen, muss das Plenum die Verabschiedung der Richtlinie daher unbedingt verhindern.“, fordert Volker Tripp, politischer Referent des Vereins Digitale Gesellschaft.

Heute hat der Innenausschuss des EU-Parlaments der geplanten Richtlinie zur anlasslosen Speicherung von Fluggastdaten zugestimmt. Die Kompromissfassung, die Unterhändler Timothy Kirkhope im Rahmen der Dreiecksgespräche zwischen Kommission, Ministerrat und Parlament ausgehandelt hatte, entspricht weitestgehend den Wünschen der Mitgliedstaaten.

Bei Flügen von der und in die EU sollen bis zu 60 Einzeldaten pro Passagier und Flug zunächst für sechs Monate offen und für weitere viereinhalb Jahre „maskiert“ in zentralen „Passenger Information Units“ gespeichert werden. Auch bei innereuropäischen Flügen ist die Erfassung dieser Daten vorgesehen. Neben Informationen wie Name und Anschrift der Passagiere unterliegen unter anderem auch Angaben zu Kreditkartennummern, Mailadressen oder dem verzehrten Bordessen der Speicherung. Die Sicherheitsbehörden der Mitgliedstaaten dürfen ebenso wie Europol zur Bekämpfung und Verfolgung schwerer Straftaten auf diese Daten zugreifen. Ein Austausch der Informationen zwischen diesen Stellen soll zwar nur auf freiwilliger Basis erfolgen. Die Mitgliedstaaten können jedoch eine Selbstverpflichtung zum Datenaustausch zu unterzeichnen.

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Bereits am vergangenen Freitag hatten die im Rat vertretenen Innenminister der Mitgliedstaaten dem Vorhaben grünes Licht erteilt. Die finale Abstimmung im Plenum des EU-Parlaments wird voraussichtlich Mitte Januar 2016 stattfinden. Statt die Richtlinie voreilig durchzuwinken, müssen die Abgeordneten die Totalüberwachung des Reiseverkehrs dabei unbedingt verhindern.

Schon im Urteil zur Vorratsspeicherung von Kommunikationsdaten hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) anlasslose Sammlungen personenbezogener Daten ausdrücklich verboten. Aktuell überprüft der EuGH außerdem das geplante Fluggastdatenabkommen zwischen der EU und Kanada auf die Vereinbarkeit mit Grundrechten. Eine Verabschiedung der Richtlinie würde dieser Entscheidung vorgreifen und muss bereits aus diesem Grund unterbleiben. Obendrein gibt es bislang keine Belege für die Wirksamkeit anlassloser Massenüberwachung bei der Bekämpfung terroristischer Gewalt und anderer schwerer Straftaten. Im Gegenteil hat sich der Ausbau von Befugnissen zur Datensammlung, wie er etwa in Frankreich nach dem Überfall auf das Satiremagazin Charlie Hebdo im Januar 2015 betrieben wurde, gerade nicht als probates Mittel erwiesen, um derartige Verbrechen zu verhindern.

Bereits im Februar 2015 haben wir einen umfangreichen Übersichtsartikel zum Umfang und zur rechtlichen Bewertung der Richtlinie sowie der Abkommen zur Fluggastdatenspeicherung veröffentlicht. Außerdem hatten wir eine Video-Kampagne ins Leben gerufen, um die Überwachung des Reiseverkehrs zu verhindern.

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Netzneutralität: EU-Parlament besiegelt Ende des offenen Internet in Europa

„Mit der heutigen Entscheidung opfert das EU-Parlament das freie und offene Netz in Europa den Gewinninteressen einiger weniger Telekommunikationskonzerne. Statt den vielfach geäußerten Bedenken von Zivilgesellschaft, Verbraucherschützern, Online-Wirtschaft und Medien Rechnung zu tragen und für eine starke Verankerung der Netzneutralität zu sorgen, lässt sich das Parlament von Kommission und Ministerrat bereitwillig vor den Karren spannen. Damit schadet es der eigenen Glaubwürdigkeit ebenso sehr wie der Innovationskraft des Internet, der Meinungs- und Informationsfreiheit in ganz Europa.“, erklärt Alexander Sander, Geschäftsführer des Vereins Digitale Gesellschaft.

Das Europäische Parlament hat es heute versäumt, die dringend notwendigen Änderungen am Trilog-Kompromiss zur Netzneutralität vorzunehmen. Nachdem das Plenum noch im vergangenen Jahr für eine netzneutralitätsfreundliche Fassung der „Telecom Single Market“ Verordnung gestimmt hatte, fehlte es bei der heutigen Abstimmung an der erforderlichen Mehrheit, um die verheerenden Rechtsunsicherheiten in dem Gesetz zu beseitigen. Stattdessen winkten die Abgeordneten die unscharfe Definition der Spezialdienste nun ebenso durch wie die vagen Voraussetzungen für Drosselungen der Datenflüsse und den Verzicht auf ein Verbot von Preisdiskriminierungen. Damit erodiert das Parlament eines der grundlegenden Funktionsprinzipien des Internet. Zugleich ebnet es den Weg in ein Zwei-Klassen-Netz, in dem Innovationen gebührenpflichtig sind und Grundrechte wie die Meinungs- und Informationsfreiheit von der Willkür der Provider abhängen.

Als das am stärksten demokratisch legitimierte Organ der EU schadet das Parlament mit der heutigen Entscheidung auch seiner eigenen Glaubwürdigkeit. Trotz vehementer Proteste und Appelle aus allen gesellschaftlichen Bereichen brachten die Abgeordneten und Unterhändler des Parlaments weder in den Trilog-Verhandlungen noch in der heutigen Abstimmung das nötige Rückgrat auf, um die Interessen der europäischen Bevölkerung gegen den Druck und die falschen Versprechungen von Telekomlobbyisten, Ministerrat und Kommission durchzusetzen.

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US-Unternehmen und Investoren schließen sich Kampf für Netzneutralität an

Kurz vor der entscheidenden Abstimmung im Europäischen Parlament bekommt die Bewegung, die sich für eine starke gesetzliche Verankerung der Netzneutralität in Europa einsetzt, Verstärkung und Rückenwind durch zahlreiche Unternehmen und Investoren aus der EU und den USA.

Mehr als 30 führende Start-Ups, Internetunternehmen und Investoren aus Europa und den Vereinigten Staaten haben gestern in einem offenen Brief das Europäische Parlament aufgefordert, entscheidende Änderungsanträge anzunehmen, um schwerwiegende Probleme mit dem gegenwärtigen Entwurf der Netzneutralitätsregeln zu beheben. Ein Link zum Brief findet sich am Ende dieses Textes.

Die Liste der Unterzeichner liest sich wie ein Who-is-Who der führenden Internet-Unternehmen der nächsten Generation. Sie umfasst unter anderem Automaticc, inc (WordPress.com), BitTorrent, Etsy, Kickstarter, Netflix, Reddit, Soundcloud, Tumblr und Vimeo.

Die Gruppe der Unterzeichner umfasst zudem legendäre Wagniskapitalgeber wie Fred Wilson und Brad Burnham (Union Square Ventures), Brad Feld (Foundry Group), David Pakman (Venrock) sowie weitere wichtige Investoren aus Europa und den USA. Fred Wilson und Brad Burnham hatten schon frühzeitig in fast alle erfolgreichen Internet-Start-Ups der Web 2.0 Generation wie Twitter, Zynga, Etsy oder Kickstarter investiert und genießen Kultstatus in der weltweiten Start-Up Community.

Gestern hat sich auch TechCrunch in einem aufsehenerregenden Post von Mike Butcher (TechCrunch Editor at large) der Kampagne für die Annahme der Amendments angeschlossen.

Die Änderungsanträge werden damit von einer breiten und schnell wachsenden Bewegung unterstützt. Sie umfasst:

  • Europäische Organisationen für digitale Rechte wie Initiative Netzfreiheit, EDRi, La Quadrature du Net, Bits of Freedom, Open Rights Group, IT Politisk Forening, Xnet, InfoHouse und Digitale Gesellschaft e.V.
  • Internationale Bürgerrechtsorganisationen wie Access Now, Electronic Frontier Foundation, Reporter ohne Grenzen und Start-Ups for Net Neutrality
  • US-Gemeinwohlorganisationen wie Demand Progress, Fight for the Future, Free Press, Future of Music Coalition, Engine Advocacy
  • Start-Ups und Technologieunternehmen aus der EU und den USA wie BitTorrent, Etsy, Foursquare, Kickstarter, Meetup, Netflix, Tumblr, Reddit, Soundcloud, Twilio und Vimeo
  • Legendäre Wagniskapitalgeber wie Brad Burnham und Fred Wilson von Union Square Ventures und weitere wichtige Investoren aus Europa und den Vereinigten Staaten
  • Die deutschen Landesmedienanstalten
  • Geistliche Würdenträger wie Reverend Otis Moss III, Brian McLaren und Schwester Simone Campbell
  • Vordenker wie Mike Butcher von TechCrunch.

Offener Brief an das EU-Parlament: https://cyberlaw.stanford.edu/files/publication/files/TechLettertoEUOct.2015.pdf
Tech-Crunch-Artikel: http://techcrunch.com/2015/10/25/tech-firms-rally-against-harmful-eu-net-neutrality-laws-as-deadline-looms/

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Wir brauchen Eure Hilfe: Rettet das freie und offene Netz in Europa

Schon am kommenden Dienstag, den 27. Oktober, wird das EU-Parlament über die gesetzliche Absicherung der Netzneutralität, also der Diskriminierungsfreiheit und Offenheit des Internet in Europa entscheiden.

Nachdem in den Trilog-Verhandlungen über eine Verordnung für einen einheitlichen Kommunikationsmarkt leider ein fauler Kompromiss zwischen Ministerrat, Kommission und Parlament ausgehandelt worden war, bietet die bevorstehende Abstimmung im Plenum die letzte Chance, die Dinge zum Besseren zu wenden: Bevor der Trilog-Kompromiss als Gesetz in Kraft treten kann, muss das Parlament den Text offiziell verabschieden. In dieser entscheidenden Abstimmung können noch Änderungen an dem vorliegenden Text beschlossen werden.

Entsprechende Änderungsanträge wurden bereits von der EU-Parlamentarierin Marietje Schaake eingebracht, allerdings müssen sie noch von Parlamentspräsident Martin Schulz zur Abstimmung zugelassen werden. Um erfolgreich zu sein, bedürfen die Änderungsanträge außerdem der absoluten Stimmenmehrheit der Abgeordneten.

Damit es dazu kommt, brauchen wir Eure Hilfe. Geht auf unsere Kampagnenseite savetheinternet.eu und kontaktiert Parlamentspräsident Martin Schulz sowie die Mitglieder des EU-Parlaments. Überzeugt sie davon, dass die Anträge zugelassen und angenommen werden müssen, um die Netzneutralität in Europa zu sichern.

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Würde der Trilog-Kompromiss in der jetzigen Fassung zum Gesetz, so würde er in den entscheidenden Punkten neue Rechtsunsicherheiten begründen. Der EU-Gesetzgeber würde sich damit aus seiner Verantwortung stehlen, klare und unmissverständliche Regeln zu setzen, und stattdessen die Lösung der eigentlichen Probleme auf die Gerichte verschieben.

Damit wäre vor allem den großen Telekommunikationsunternehmen und Netzwerkbetreibern ein Gefallen getan, da diese über die nötigen Mittel verfügen, um langwierige Gerichtsverfahren durchzustehen und sich die gewünschte Auslegung auf dem Rechtsweg zu erstreiten. Schaden nehmen würden hingegen die Rechte und Interessen von Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie der europäischen Online-Wirtschaft, da eine echte Sicherung der Netzneutralität normenklare und eindeutige Regeln braucht.

Das Parlament muss daher die bislang noch bestehenden Unklarheiten beseitigen und durch explizite Regelungen ersetzen. Dazu gehören eine Klausel, nach der die Mitgliedstaaten wettbewerbsfeindliche Praktiken wie Zero-Rating verbieten können, ebenso wie eine Verschärfung der Kriterien für optimierte Dienste und für Maßnahmen des Verkehrsmanagements. Nur so wird eine echte Absicherung der Netzneutralität in Europa gelingen.

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Hintergründe:

Analyse des Trilog-Kompromisses
Pressemitteilung zur Verabschiedung des Trilog-Kompromisses
Aufruf zur Kampagne savetheinternet.eu
FAQ Netzneutralität