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Fake News und Hate Speech: Was hilft gegen Propagandalügen?

Was tun gegen Meinungsmache durch Falschmeldungen und Hassbotschaften im Internet? Diese Frage bereitet den politisch Verantwortlichen in Berlin und Brüssel derzeit viel Kopfzerbrechen. Von einer sachgerechten Antwort sind Große Koalition und Bundesregierung leider immer noch weit entfernt. Neben ihrer Hilflosigkeit im Umgang mit Fake News und Hate Speech offenbaren die Lösungsvorschläge aus Union und SPD vielmehr auch ihre Bereitschaft, auf gesellschaftliche Fehlentwicklungen lieber mit Aktionismus zu reagieren als deren wirkliche Ursachen zu bekämpfen. Dabei gäbe es durchaus einige sinnvolle Maßnahmen, um politischer Desinformation und Hetze den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Wir haben auch eine YouTube-Playlist zu dem Thema:

Wählermanipulation durch Fake News: Keine empirischen Belege
Die Sorge um den Einfluss von gefälschten Nachrichten, irreführenden Zitaten und hetzerischen Kommentaren auf die politische Meinungs- und Willensbildung erscheint zunächst durchaus nachvollziehbar. Teile der Bevölkerung in Deutschland haben offenbar das Vertrauen in etablierte Medien und Politik verloren und sich stattdessen einer geschlossenen medialen Parallelwelt, bestehend aus sozialen Medien, Blogs und sogenannten „alternativen“ Nachrichtenportalen, zugewandt. Entscheidend ist dort weniger, ob eine Meldung tatsächlich der Wahrheit entspricht; vielmehr soll sie Ressentiments befördern, bestehende Feindbilder bedienen und den politischen Gegner diffamieren.

Derartige Nachrichten hätten, so heißt es, Donald Trump zum Sieg bei den US-Präsidentschaftswahlen verholfen. Die vergleichsweise hohen Umfragewerte von Rechtspopulisten in ganz Europa vor Augen, scheint vielen Politikern die Gefahr, dass Fake News und Hate Speech sich nun hierzulande auf Wahlen auswirken könnten, mit Händen zu greifen zu sein.

So nachvollziehbar diese Überlegungen auf den ersten Blick wirken mögen, so wenig konnte ein solcher Einfluss bislang konkret empirisch belegt werden. Besondere Vorsicht ist daher geboten, wenn nun vorschnell der Ruf nach Maßnahmen laut wird, die mit Einschränkungen der Meinungsfreiheit und rechtsstaatlicher Grundsätze verknüpft sind.

Strafbarkeit: Keine Gesetzeslücken, sondern Mängel bei der Durchsetzung
Die Einführung eines neuen Straftatbestandes, wie es der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Stephan Mayer, zur Verfolgung von Desinformationskampagnen fordert, dürfte weder rechtspolitisch sinnvoll noch verfassungsrechtlich haltbar sein. Wo genau die Trennlinie zwischen „Desinformation“ und anderen Formen inhaltlich unwahrer oder verzerrter Meldungen, beispielsweise schlecht recherchierten Zeitungsenten, kommerziell motiviertem Click Bait oder Satire verlaufen soll, ist völlig unklar. Hinzu kommt, dass tatsächlich gar keine Strafbarkeitslücke besteht. Die Verbreitung unwahrer Tatsachen mit dem Ziel, einzelne Menschen oder Bevölkerungsgruppen öffentlich zu diffamieren oder Hass gegen sie zu schüren, ist als Volksverhetzung, Verleumdung oder üble Nachrede bereits nach geltender Rechtslage strafbar. Die verfassungsrechtlichen Grenzen dieser Straftatbestände sind zudem durch jahrzehntelange Rechtsprechung ausgelotet. Über die bestehende Strafbarkeit der Verbreitung unwahrer Tatsachen hinaus bleibt daher kaum Raum für weitere Einschränkungen der Meinungsfreiheit.

Dass sich Fake News und Hate Speech über soziale Netzwerke ungehindert verbreiten können, liegt ohnehin weniger an fehlenden Straftatbeständen, sondern an Mängeln bei der Durchsetzung und Verfolgung des geltenden Rechts. Online-Riesen wie Facebook zeigen sich bei der Löschung solcher Postings ebenso zögerlich wie bei der Kooperation mit deutschen Behörden. Die im vergangenen Jahr von Bundesjustizminister Heiko Maas mit viel Tamtam einberufene „Task Force“ zur Bekämpfung von Hassbotschaften im Netz scheiterte vor allem daran, dass die beteiligten Unternehmen wie Facebook, Google und Twitter über bloße Lippenbekenntnisse hinaus nicht dazu bereit waren, ihre Löschpraxis ohne Not nachhaltig zu ändern. Abgesehen davon wäre eine Selbstverpflichtung der sozialen Netzwerke zur Löschung bestimmter Inhalte auch nicht wünschenswert. Im Ergebnis würde dies nämlich bedeuten, dass marktbeherrschende US-Konzerne darüber entscheiden, wie weit Meinungsfreiheit im Netz geht.

Europarechtlich heikel: Proaktive Inhaltsfilterung und verschärfte Host-Provider-Haftung
Nach dem Fehlschlagen der „Task Force“ hat Bundesjustizminister Heiko Maas wiederholt ein „härteres Vorgehen“ gegen Plattformen angekündigt, die nicht konsequent genug gegen die Verbreitung von Fake News und Hate Speech einschreiten. Konkret ist seinen Äußerungen bislang allerdings nur zu entnehmen, dass er dabei vor allem Facebook im Visier hat. Wie das härtere Vorgehen hingegen en detail aussehen soll, liegt weitestgehend im Dunkeln.

Für seine Offensive stehen dem Bundesjustizminister allerdings nicht allzu viele Optionen zur Verfügung. Eine gesetzliche Pflicht für die Betreiber sozialer Netzwerke, sämtliche Postings der Nutzerinnen und Nutzer proaktiv auf Rechtsverletzungen zu prüfen, wäre technisch kaum umsetzbar und würde außerdem gegen die europäische E-Commerce-Richtlinie verstoßen. Zwar haben Facebook, Youtube und Twitter Anfang Dezember angekündigt, bei der Beseitigung terroristischer Propaganda zusammenzuarbeiten und gemeinsame Inhaltsfilter zu verwenden; von einer gesetzlichen Pflicht zur Aussonderung von Fake News und Hate Speech unterscheidet sich dieser Vorstoß jedoch gleich in doppelter Hinsicht: Erstens würde die Filterung aus freien Stücken und nicht aufgrund einer gesetzlichen Vorgabe geschehen. Zweitens ist die automatische Filterung bestimmter Bildinhalte und Schlüsselwörter, wie sie in terroristischer Propaganda verwendet werden, technisch durchaus möglich; die inhaltliche Einordnung einer Meldung als „Fake News“ hingegen ist deutlich komplexer und allein durch einen Algorithmus nicht zu bewältigen.

Grundsätzlich denkbar wäre es auch, die Haftung sozialer Netzwerke für nicht entfernte Fake News und Hate Speech zu verschärfen. Als sogenannte Host-Provider sind die Betreiber für rechtswidrige Postings der Nutzerinnen und Nutzer bislang erst ab dem Zeitpunkt verantwortlich, in dem sie davon Kenntnis erlangen. Ohne diese als „notice and takedown“ bekannte Regelung der E-Commerce-Richtlinie könnten Host-Provider-Dienste nicht mit der nötigen Rechtssicherheit betrieben werden. Zu diesen Diensten gehören alle Angebote, die Speicherplatz für fremde Inhalte im Internet bereitstellen, neben Facebook, Youtube und Twitter also beispielsweise auch Cloud-Storage-Dienste, Foren oder Dienste wie Wikipedia. Eine Verschärfung der Host-Provider-Haftung würde das rechtliche Fundament sämtlicher dieser Angebote erschüttern. Besonders nachteilig würde sich das insbesondere auf Unternehmen mit Sitz in der EU auswirken, die hiesige Online-Wirtschaft also weiter schwächen. Die Host-Provider-Haftung einzuschränken hieße also, das Kind mit dem Bade auszuschütten, und der außereuropäischen Konkurrenz gegenüber der Online-Wirtschaft in der EU weitere Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

Gute Ansätze vorhanden: Datenschutzgrundverordnung und Entwurf der ePrivacy-Verordnung
Tatsächlich gibt es insbesondere auf EU-Ebene bereits einige sinnvolle, ausbaufähige Ansätze, die dabei helfen könnten, Phänomene wie Fake News und Hate Speech in den Griff zu bekommen. Sowohl in der bereits verabschiedeten Datenschutzgrundverordnung als auch in dem kürzlich geleakten Entwurf der EU-Kommission für eine ePrivacy-Verordnung wird das Marktortprinzip vorgeschrieben. Wer Online-Dienste in der EU verfügbar macht und Geld mit Werbung verdient, muss sich dabei auch dann an europäisches Datenschutzrecht halten, wenn die eigentliche Datenverarbeitung außerhalb der EU stattfindet. In ähnlicher Weise könnte dies auch für andere Bereiche, etwa den Schutz der Persönlichkeitsrechte oder die Abwehr von Diskriminierungen, festgelegt werden.

Der Entwurf der ePrivacy-Verordnung verlangt von Kommunikationsdiensten, die in der EU genutzt werden können, außerdem die Bereitstellung einer verantwortlichen Person, an die sich Gerichte, Behörden und Betroffene bei Bedarf wenden können. Diese Person könnte nun auch verpflichtet werden, auf Löschanfragen innerhalb einer bestimmten Frist zu reagieren und nach entsprechender Anordnung durch ein Gericht auch für die Löschung zu sorgen. Verstöße gegen diese Pflicht sollten zudem bußgeldbewehrt sein, um ihre Durchsetzung zu gewährleisten.

Über diese gesetzgeberischen Maßnahmen hinaus dürfte Bildung die wirksamste Maßnahme sein, um Phänomenen wie Fake News und Hate Speech den Boden zu entziehen. Wer gelernt hat, mit der Informationsflut im Internet besonnen umzugehen und Meldungen stets mit mehreren Quellen abzugleichen, ist von vornherein weniger anfällig für Manipulationen durch gefälschte Nachrichten und Hassbotschaften. Es muss daher vermehrt Fact-Checking-Angebote im Netz geben. Auch wird es wichtig sein, Fake News und Hate Speech proaktiv und in leicht verständlicher Weise zu entkräften und als Propagandalügen zu entlarven. Auch Investitionen in Bildungseinrichtungen zur Förderung der Medienkompetenz sind in einer zunehmend digitalen und medialen Gesellschaft unabdingbar.

Anhörung zum Telemediengesetz: Wie geht es weiter mit offenem WLAN und Host-Providerhaftung?

Offene WLAN-Netze und die Haftung von Host-Providern waren heute Thema im Wirtschaftsausschuss des Deutschen Bundestages. Im Rahmen einer Sachverständigenanhörung, zu der auch wir geladen waren, wurde der Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Änderung des Telemediengesetzes erörtert.

Nach Vorstellung der Bundesregierung sollen mit dem geplanten Gesetz rechtssichere Bedingungen für den Betrieb offener Funknetze geschaffen und die Haftung von Host-Providern verschärft werden. Obwohl es sich bereits in den im Vorfeld abgegebenen schriftlichen Stellungnahmen abzeichnete, zerpflückten die Sachverständigen zur Überraschung einiger Abgeordneter der Großen Koalition den Regierungsentwurf während der knapp zweistündigen Anhörung in weiten Teilen.

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Verschärfung der Host-Providerhaftung: Unpraktikabel und europarechtswidrig

So bewerteten die sieben geladenen Experten die Änderungen bei der Host-Providerhaftung als völlig verfehlt und unpraktikabel. Unter Host-Providern sind ganz allgemein Dienste zu verstehen, die für ihre Nutzerinnen und Nutzer Informationen speichern. Es kann sich dabei um so unterschiedliche Angebote wie Youtube, Wikipedia, Dropbox oder auch One-Click-Hoster wie Rapidshare handeln.

Nach EU-Recht sind diese Dienste grundsätzlich nicht für rechtswidrige Informationen verantwortlich, die ihre Nutzerinnen und Nutzer bei ihnen speichern. Als Voraussetzung für die Haftungsfreistellung sieht das Europarecht lediglich vor, dass die Dienste keine Kenntnis von der Rechtswidrigkeit haben und die Informationen entfernen, sobald sie auf die Rechtswidrigkeit hingewiesen werden („Notice and takedown“).

Mit dem Entwurf der Bundesregierung soll sich das ändern. Die Kenntnis der Rechtswidrigkeit soll danach gesetzlich vermutet werden, wenn es sich bei dem Host-Provider um einen „gefahrgeneigten Dienst“ handelt. Das soll unter anderem dann der Fall sein, wenn die weit überwiegende Zahl der Inhalte rechtswidrig bei dem Anbieter gespeichert ist. Um diese Feststellung zu treffen, müsste der Anbieter jedoch alle bei ihm gespeicherten Inhalte proaktiv überwachen und im Hinblick auf ihre Rechtmäßigkeit bewerten.

Das dürfte ihm bereits deshalb schwerfallen, weil es einem gespeicherten Inhalt gar nicht ohne Weiteres anzusehen ist, ob er nun rechtswidrig oder rechtmäßig ist. Urheberrechtlich geschütztes Material darf beispielsweise bei einem One-Click-Hoster legal gespeichert werden, solange der Uploader der Öffentlichkeit keinen Zugriff darauf gewährt. Eine generelle Überwachung und Überprüfung der Inhalte hielten die Sachverständigen daher für unpraktikabel. Außerdem wiesen sie darauf hin, dass dies auch gegen die Vorgaben der europäischen E-Commerce-Richtlinie verstieße. Sie empfahlen daher durchweg, diese geplante Gesetzesänderung aus dem Entwurf zu streichen.

WLAN Störerhaftung

WLAN-Störerhaftung: Knackpunkt Europarecht

Auch in puncto WLAN-Störerhaftung stand die Vereinbarkeit des Regierungsentwurfs mit dem EU-Recht im Mittelpunkt. Die Kritik machte sich an genau den Punkten fest, die wir bereits im Juni dieses Jahres gemeinsam mit den Freifunkern und dem Verbraucherzentrale Bundesverband bei der EU-Kommission geltend gemacht hatten. Die Kommission hatte sich in einer nicht veröffentlichten, aber auf Netzpolitik.org geleakten Stellungnahme unseren Bedenken angeschlossen. Anfang November hatte der Bundesrat aus denselben Gründen empfohlen, den Regierungsentwurf in der vorliegenden Fassung nicht zu verabschieden.

In der heutigen Anhörung bemängelten nun auch die Sachverständigen, dass WLAN-Betreiber laut Entwurf nur dann von der Störerhaftung befreit werden sollen, wenn sie „zumutbare Maßnahmen“ ergriffen haben, um Rechtsverletzungen durch die Nutzerinnen und Nutzer zu verhindern. Damit überschreitet der Entwurf nach einhelliger Ansicht die Vorgaben der E-Commerce-Richtlinie.

Außerdem kritisierten die Experten, dass der Entwurf zwar beispielhaft zwei „zumutbare Maßnahmen“ benenne; allerdings seien diese nur sehr unscharf definiert und obendrein untauglich, um Rechtsverletzungen zu verhindern. Mit dem Regierungsentwurf würde daher die bestehende Rechtsunsicherheit bei der WLAN-Störerhaftung festgeschrieben und offene Funknetze in Deutschland damit faktisch unmöglich gemacht.

Positiv äußerte sich zu den geplanten Änderungen nur der Vertreter der Firma Hotsplots GmbH, die WLAN-Zugänge für gewerbliche Kunden wie Hotels und Gastronomie anbietet. Das verwundert wenig, beruht das Geschäftsmodell dieses Unternehmens doch im Kern auf der Ausnutzung der bestehenden Rechtsunsicherheiten und Haftungsrisiken für die Anbieter von WLAN-Zugängen.

Prozedere ließ keine Diskussionen zu

Leider ließ das Prozedere bei der Anhörung eine echte Diskussion unter den geladenen Experten nicht zu. Weder gab es Eingangsstatements der Sachverständigen, noch wurde ihnen Gelegenheit zur Nachfrage oder Replik auf die Ausführungen der jeweils anderen gegeben. Stattdessen richteten die Abgeordneten in drei Runden Fragen an die Experten. Insbesondere die Parlamentarier der Großen Koalition befragten dabei ausschließlich die von ihnen selbst bestellten Sachverständigen. Die Anzahl der Fragen, welche die Abgeordneten der verschiedenen Fraktionen stellen konnten, entsprach dabei zudem strikt den Mehrheitsverhältnissen im Ausschuss. Da die Oppositionsparteien zusammen nur über knapp 20% der Sitze verfügen, mussten sie sich jeweils mit nur einer Frage pro Runde zufrieden geben.

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Ausblick: Was lange währt, könnte noch länger dauern

Ein Aspekt, der gegen Ende der Anhörung zur Sprache kam, könnte für den weiteren Verlauf des Gesetzgebungsverfahrens von besonderer Bedeutung sein. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat am 9. Dezember die Klage eines Hotspot-Betreibers verhandelt, der sich gegen die Abmahnung eines Musikunternehmens wegen illegalen Filesharings gewehrt hatte. In diesem Verfahren geht es im Kern um die Auslegung der E-Commerce-Richtlinie und die Voraussetzungen für die Störerhaftung. Mit einem Votum des Generalanwalts am EuGH, das vor der eigentlichen Entscheidung des Gerichtshofs ergehen muss, ist nicht vor März 2016 zu rechnen. Angesichts der zahlreichen europarechtlichen Probleme des Regierungsentwurfs könnte sich die Große Koalition nun auf die Strategie verlegen, das Gesetzgebungsverfahren zunächst auf Eis zu legen, um die Entscheidung des EuGH abzuwarten.

Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund ist die Abschaffung der WLAN-Störerhaftung ein anschauliches Beispiel dafür, wie langwierig und mühsam politische Prozesse verlaufen und wie wichtig deshalb ein langer Atem ist. Schon im Jahr 2012 hatten wir einen Gesetzentwurf zur bedingungslosen Beseitigung der WLAN-Störerhaftung vorgelegt. Die Oppositionsfraktionen hatten unseren Entwurf sowohl 2013 als auch 2014 in den Bundestag eingebracht, wo er stets an den Stimmen der jeweiligen Regierungskoalition scheiterte. Im März 2015 erschien erstmals ein eigener Entwurf aus der Feder der Bundesregierung.

Wenn sich die Große Koalition nun tatsächlich dazu entschließt, die Entscheidung des EuGH abzuwarten, dann wäre die WLAN-Störerhaftung selbst mehr als ein Jahr später noch immer nicht abgeschafft. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, geht es hier doch eigentlich nur um die Änderung eines einzigen Paragraphen im Telemediengesetz. Bei der Vorratsdatenspeicherung haben für ein weitaus umfangreicheres Gesetzespaket hingegen wenige Monate ausgereicht.

Bundestag: Expertenanhörung zu offenem WLAN und Host-Providerhaftung

Am morgigen Mittwoch wird der Bundestagsausschuss für Wirtschaft und Energie eine Sachverständigenanhörung zur Änderung des Telemediengesetzes durchführen. Gegenstand der Anhörung ist ein Gesetzentwurf der Bundesregierung, mit dem die WLAN-Störerhaftung reformiert und die Haftung von Host-Providern verschärft werden soll.

Schon im März dieses Jahres hatte das Bundeswirtschaftsministerium dazu einen ersten Entwurf vorgelegt, der jedoch von zahlreichen Verbänden harsch kritisiert wurde. Auch die EU-Kommission, an die wir uns gemeinsam mit den Freifunkern und dem Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. gewandt hatten, äußerte im Zuge eines Notifizierungsverfahrens erhebliche europarechtliche Bedenken gegen das Vorhaben. Der Bundesrat sah die geplanten Änderungen ebenfalls kritisch und empfahl im November eine Reihe von Korrekturen, die in puncto WLAN-Störerhaftung unserem Gesetzentwurf aus dem Jahr 2012 entsprechen. Gleichwohl brachte die Bundesregierung ihren Gesetzentwurf Anfang Dezember unverändert in den Bundestag ein.

Auch wir sind als Sachverständige zu der Anhörung geladen und haben im Vorfeld bereits eine schriftliche Stellungnahme abgegeben. Die Anhörung findet am Mittwoch von 11 bis 13 Uhr statt und wird am selben Tag zwischen 17.30 und 19.30 Uhr als Aufzeichnung im Parlamentsfernsehen übertragen. Wir hoffen, die Abgeordneten im federführenden Wirtschaftsausschuss davon zu überzeugen, den Gesetzentwurf so zu verändern, dass offene WLAN-Netze in Deutschland endlich rechtssicher betrieben werden können. Außerdem möchten wir eine Verschärfung der Host-Providerhaftung verhindern, um Rechtsunsicherheiten für Cloud-Dienste in Deutschland abzuwenden. Mit einer Verabschiedung des Gesetzes im Plenum ist nicht vor Mitte Januar 2016 zu rechnen.

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