23 Bürgerrechtsorganisationen unterstützen Snowdens Nominierung für den Sacharow-Preis

Heute veröffentlichten 23 Bürgerrechtsorganisationen einen Offenen Brief an die Konferenz der Präsidenten des Europaparlaments, um die Nominierung von Edward Snowden für den Sacharow-Preis für geistige Freiheit zu unterstützen.

Die Präsidentenkonferenz wird morgen, den 10. Oktober, den Gewinner dieses EU-Menschenrechtspreises bekanntgeben. Weitere Finalisten sind die pakistanische Bloggerin Malala Yousafzai sowie Ales Bialatski, Eduard Lobau und Mikalaj Statkewitsch stellvertretend für alle politischen Gefangenen in Weißrussland.

Unterzeichnet haben neben dem Digitale Gesellschaft e. V., der Chaos Computer Club, Artikel 19, digitalcourage, European Digital Rights, Bits of Freedom, die Open Rights Group, La Quadrature du Net und viele mehr.

 

Wir haben ihn für euch übersetzt, den englischen Originaltext findet ihr unten.

An die Konferenz der Präsidenten des Europaparlaments

Sehr geehrte Damen und Herren,

Wir schreiben Ihnen im Auftrag von 23 europäischen Nichtregierungsorganisationen, die sich dem Schutz der Grundrechte, einschließlich der Meinungs- und Informationsfreiheit, verschrieben haben und bitten Sie, die Nominierung von Edward Snowden zum Sacharow-Preis zu unterstützen.

Edward Snowdens Enthüllungen haben in den USA und darüber hinaus eine längst überfällige und dringend nötige öffentliche Debatte über die akzeptablen Grenzen der Überwachung in demokratischen Staaten und über die Legitimität und Angemessenheit von Anti-Terror-Aktivitäten ausgelöst. Die Enthüllungen lösten auch in der Europäischen Union einen breiten Diskurs aus.

Der Sacharow-Preis für geistige Freiheit wurde ins Leben gerufen, um Menschen auszuzeichnen, die sich aktiv für die Verteidigung der Menschenrechte und Grundfreiheiten einsetzen, insbesondere für das Grundrecht auf Meinungsfreiheit. Wir glauben, dass Edward Snowden diese Kriterien als persönliches Vorbild erfüllt. Seine Nominierung für den Preis ist für sich genommen ein Beitrag zur Fortentwicklung der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der EU, speziell was den Schutz von Whistleblowern betrifft. Sie sendet auch eine unmissverständliche Botschaft, das internationale Recht zu respektieren. Die Verleihung des Preises an Snowden würde der Weltöffentlichkeit signalisieren, dass die EU diejenigen respektiert und verteidigt, die angegriffen werden, weil sie Menschenrechtsverletzungen anprangern. Daniel Ellsberg und frühere NSA-Whistleblower lobten Snowdens Taten. Wir sind überzeugt, dass Andrej Sacharow das gleiche getan hätte.

Sacharow – ein Atomphysiker, der in einem repressiven Staat zum Oppositionellen wurde, nutzte seine Position in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik, um die Belange der Menschenrechte in den Fokus zu rücken. Edward Snowden hat auf dieselbe Art und Weise sein Wissen genutzt, um auf den Missbrauch individueller Grundrechte und dessen Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft aufmerksam zu machen. In ihrer Entwicklung vom staatsdienenden Bürger hin zu Anwälten und Sprechern der Bürgerrechte wurden beide Männer zu Dissidenten – diese Gefahr nahmen sie in Kauf. Auch deshalb ist es eine moralische Pflicht der Europäischen Union, einen Mann anzuerkennen, der mutig für die Bürger- und Menschenrechte eintrat und so gleichzeitig seine eigene Freiheit aufs Spiel setzte. Wir sind uns bewusst, dass alle nominierten Kandidaten den Preis verdienen und die Entscheidung schwierig ist. Dennoch befinden sich nicht alle Nominierten in derselben Position. Viele Kandidaten sind bereits für ihr Engagement gewürdigt worden und sind weniger kontrovers, da ihr Agieren gegen totalitäre Regime mithin von allen demokratischen Staaten anerkannt wurde.

Bitte denken Sie bei der Bestimmung des Sacharow-Preisträgers aber daran, dass Snowden der Welt gezeigt hat, dass flächendeckende und unkontrollierbare Überwachung nicht nur von Diktaturen ausgeführt wird. Auch in Demokratien werden die Rechte und Freiheiten der Bürgerinnen und Bürger ausgehöhlt. Bitte denken Sie auch daran, dass eine der wenigen Handlungsoptionen, die die Europäische Union im Moment hat, darin besteht, Edward Snowden zu unterstützen.

Snowdens Handlungen stellen die uneingeschränkte Staatsmacht auf globaler Ebene in Frage, ohne vereinfachende nationalistische Muster zu bedienen. Eine Auszeichnung würde einen Beitrag leisten, auch in einer vernetzten Welt grenzenlose Zivilcourage zu ermöglichen. Bis heute hat Edward Snowden weder von der EU als Ganzes, noch von einzelnen Mitgliedstaaten oder europäischen Institutionen Unterstützung oder wenigstens Anerkennung für seine mutigen Taten erhalten.

Als Bürger Europas glauben wir, dass der Sacharow-Preis die beste Möglichkeit ist, diesen unbefriedigenden Zustand zu ändern. Daher ermutigen wir Sie, die Auszeichnung als Würdigung der Courage und des Einsatzes für die Ziele, für die der Preis steht, an Edward Snowden zu vergeben.

Mit vielen Grüßen,

Alternative Informatics Association, Turkey

ApTI, Romania

Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, Germany

ARTICLE 19, International

Bits of Freedom, The Netherlands

Chaos Computer Club e.V., Germany

DFRI, Sweden

Digitalcourage, Germany

Digitale Gesellschaft, Germany

Electronic Frontier Finland

European Digital Rights (EDRi)

Foundation for Information Policy Research, UK

Initiative für Netzfreiheit, Austria

Internet Society, Poland Chapter

IT-Political Association of Denmark

Iuridicum Remedium, Czech Republic

La Quadrature du Net, France

Modern Poland Foundation, Poland

Net Users’ Rights Protection Association (NURPA), Belgium

Open Rights Group, UK

Panoptykon Foundation, Poland

Transnational Institute, The Netherlands

Vrijschrift, The Netherlands

 

 

 

An die Konferenz der Präsidenten des Europaparlaments

Dear Presidents,

We write to you on behalf of 23 European non-governmental organisations protecting fundamental rights, including the freedom of expression and information, to lend our support to the selection of Edward Snowden for the Sakharov Prize.

Edward Snowden’s recent disclosures have triggered a necessary and long-overdue public debate in the United States and beyond about the acceptable boundaries of surveillance in a democratic state and about the legitimacy and proportionality of counter-terrorism intelligence activities. The revelations also have prompted debates in the European Union.

The Sakharov Prize for Freedom of Thought was established to recognise individuals actively working to defend human rights and fundamental freedoms, in particular the right to freedom of expression. We believe that by his personal example, Snowden meets these criteria. His nomination to the Prize is in itself a contribution to the development of democracy and the rule of law in the European Union, in particular with regards to the protection of whistleblowers. It also sends a message of respect for international law. Awarding the Prize to Snowden would give a clear signal to the world that the EU values and protects those who are attacked for speaking out on violations of human rights. Daniel Ellsberg and earlier NSA whistleblowers have praised Snowden’s actions. We are convinced that Andrei Sakharov would have done the same.

Sakharov – a nuclear physicist turned opponent of a repressive state – used his position in national security and defence to raise concerns about the preservation of human rights. Similarly, Snowden used his professional knowledge to draw attention to abuses of the fundamental rights of individuals and their effect on entire societies. In their transition from state servants to citizens‘ rights advocates, both men became dissidents, in the full knowledge of the likely cost of this action to them. It is the moral duty of the European Union to acknowledge a man who bravely stood up for our basic human rights, anticipating the cost that his action would have for his personal liberty. We are fully aware that all shortlisted candidates fully deserve their nomination and we understand that the choice is difficult. However, not all candidates are in the same position. Other nominees have already been provided with many other awards and are less controversial, as their activism is directed against totalitarian regimes.

When deciding the winner of the Sakharov Prize, please remember that Snowden has shown to the world that blanket and unaccountable surveillance is not limited to dictatorships, but that democracies can also undermine citizens‘ fundamental freedoms. Please also keep in mind that one of the few things the European Union can do right now is to support Edward Snowden.

Snowden’s actions represent a challenge to unfettered state power at the global level, and without regard to conventional and simple nationalist dynamics. An award would point the way towards safeguarding activism without borders in a networked world. So far Edward Snowden has received neither recognition for his courageous deeds nor support from the European Union collectively, from any individual Member State or from any single European institution.

As European citizens we believe that the Sakharov Prize would be the best way to change this undesirable state of affairs. Therefore we strongly encourage you to award the Sakharov Prize to Edward Snowden in honour of his courage and commitment to values that the Prize represents.

Sincerely yours

  • Alternative Informatics Association, Turkey
  • ApTI, Romania
  • Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, Germany
  • ARTICLE 19, International
  • Bits of Freedom, The Netherlands
  • Chaos Computer Club e.V., Germany
  • DFRI, Sweden
  • Digitalcourage, Germany
  • Digitale Gesellschaft, Germany
  • Electronic Frontier Finland
  • European Digital Rights (EDRi)
  • Foundation for Information Policy Research, UK
  • Initiative für Netzfreiheit, Austria
  • Internet Society, Poland Chapter
  • IT-Political Association of Denmark
  • Iuridicum Remedium, Czech Republic
  • La Quadrature du Net, France
  • Modern Poland Foundation, Poland
  • Net Users‘ Rights Protection Association (NURPA), Belgium
  • Open Rights Group, UK
  • Panoptykon Foundation, Poland
  • Transnational Institute, The Netherlands
  • Vrijschrift, The Netherlands

Tags:

Comments are closed.